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Tipps

Sommerzeit ist Hitzezeit

Es ist Sommer und das Thermometer klettert regelmäßig über die 30 Grad Grenze. Auch unsere Hunde und Katzen haben darunter zu leiden. Wir schwitzen uns bei solchen Temperaturen buchstäblich die Seele aus dem Leib, aber wie sieht es mit unseren Tieren aus?

11. August 2014, Text: Ines Nowotny, Video: Manfred Asperger

Hunde und Katzen haben nur zwischen den Zehen Schweißdrüsen, die der Temperaturregulation dienen. Unsere Vierbeiner regulieren ihre Körpertemperatur daher einerseits über die Durchblutung der Haut, andererseits über das Hecheln. Beim Hecheln wird durch die entstehende Verdunstungskälte das Blut gekühlt und so die Köpertemperatur in Schranken gehalten. Auch nutzen unsere Vierbeiner kühle Oberflächen oder Bäder, um sich abzukühlen. Ein gesunder, erwachsener Hund hat eine innere Körpertemperatur von 38–39°C. Je kleiner das Tier desto höher ist die Temperatur. Diese wird durch Thermorezeptoren gemessen und durch den Hypothalamus im Gehirn kontrolliert.

Welche Gründe kann eine erhöhte Temperatur bei Hund und Katze haben?

Ist die Temperatur über den normalen 39°C, kann das zwei Gründe haben: Zum einen kann das Tier Fieber haben. Fieber entsteht indem der Sollbereich des Körpers nach oben geschraubt wird, was zum Beispiel bei der Krankheitsabwehr passiert. Zum anderen kann es sich um eine ungewollte Temperaturerhöhung handeln, die der Körper durch seine normalen Regulationsmechanismen nicht mehr ausgleichen kann. Das klassische Beispiel hierfür ist der Hund, der im heißen Auto vergessen wurde. Auch bei Krampfanfällen kann es durch den Anfall von Muskelwärme dazu kommen.

Gerade in parkenden Autos werden die Temperaturen oft unterschätzt oder es wird nicht beachtet, dass der Schatten mit dem Lauf der Sonne wandert. Es reichen oft schon Außentemperaturen von 24°C, um einen Hund im Auto zu gefährden. Dort kann die Temperatur rasch auf über 48°C ansteigen. Ein Tier, das derart hohen Temperaturen ausgesetzt wird, erleidet sehr schnell einen Hitzschlag und kann sogar innerhalb kürzester Zeit versterben. Besonders gefährdet sind dabei großwüchsige oder nordische Hunderassen, langhaarige oder fettleibige Tiere, Herzpatienten und alle kurznasigen (brachycephale) Hunderassen, deren Atmung ohnehin oft beeinträchtig ist (Bulldoggen, Bostonterrier, Mops, usw.).

Was erkennt man einen Hitzschlag?

Symptome eines Hitzschlages sind schnelles Hecheln mit weit aufgerissenem Maul, gestreckter Hals, dunkelrot- oder blaustichige Zunge, flache Atmung, Herzrasen und gerötete Schleimhäute. Auch Taumeln, Erbrechen und Speicheln sowie eine panische Suche nach einem kühlen Ort und Krampfanfälle können vorkommen. Im Endstadium kommt das Tier in Seitenlage und verliert das Bewusstsein.

Was passiert bei einem Hitzschlag?

Eine höhere Körpertemperatur führt zu einem gesteigerten Stoffwechsel und daher zu einem erhöhten Sauerstoffbedarf der Körperzellen. Über 41,6° kann die Sauerstoffversorgung den Bedarf der Zellen nicht mehr decken. Daher kommt es zu Zellschäden und in deren Folge zum Zelltod. Dadurch kommen Hunde und Katze aus klinischer Sicht in ein Schockgeschehen. Das kann zu sogenannten Verbrauchskoagulopathien, Hirnödemen, Herzarrythmien, Entstehung eines Schockdarms, Leberversagen und Nierenversagen führen. Körpertemperaturen von über 41° können bereits lebensbedrohlich sein, Temperaturen von über 43°C sind absolut lebensbedrohlich.

Was ist zu tun?

Der sogenannte Hitzschlag ist ein Notfall und erfordert sofortiges Eingreifen. Das Tier sollte langsam und stetig gekühlt werden. Dazu kann man es mit einem nassen Tuch bedecken oder eines in den Nacken legen. Auch ein Ventilator oder ein Kühlbeutel können hilfreich sein. Sofern möglich kann man dem Tier etwas zu trinken anbieten. Sollte man das Tier mit Wasser abspritzen, ist darauf zu achten, zuerst die die Extremitäten und zuletzt erst den Körpermittelpunkt zu kühlen. Bewusstlose Tiere sollten in die stabile rechte Seitenlage gebracht werden und ihre Atemwege freigemacht werden. Als nächsten Schritt sollte der Tierarzt/die Klinik über das baldige Eintreffen eines Notfalls informiert werden, damit etwaige Vorbereitungsmaßnahmen getroffen werden können. Beim Tierarzt kann das Tier neben der weiteren Kühlung mit dringend notwendiger intravenöser Flüssigkeitstherapie und Sauerstoff versorgt werden. In Extremfällen kann auch ein Einlauf mit kühlen Infusionslösungen oder ein noch invasiveres Vorgehen von Nöten sein. Die weitere Therapie wird vom Ausmaß der Organschäden abhängen.

Was ist ein Sonnenstich?

Vom Hitzschlag zu unterscheiden ist der Sonnenstich, bei dem es durch die Sonneneinstrahlung zu einer lokalen Überhitzung des Kopfes und damit des Gehirns kommt. Ein Sonnenstich kann bei intensiver Sonneneinstrahlung auch an „kühleren“ Tagen im Freien auftreten. Es kommt zu Übelkeit, Schwindel bis hin zu Bewusstseinsverlust. Die Therapie ist prinzipiell der des Hitzschlags ähnlich.

Was soll ich machen, wenn ich ein Tier im heißen Auto vorfinde?

Wenn Sie also ein Tier in einem heißen Auto vorfinden, muss umgehend der Besitzer des Autos gefunden oder die Polizei verständig werden, bevor das Tier zu Schaden kommt. Handelt es sich bereits um eine lebensbedrohliche Lage, sollte man sich Zeugen suchen und gegebenenfalls eine kleine Seitenscheiben einschlagen, um das Tier zu retten. Das fällt allerdings unter Sachbeschädigung und kann geahndet werden. Auf der anderen Seite kann aber auch der Tierhalter, der den Hund vergessen hat, wegen Tierquälerei angezeigt werden.

Was sollte man an heißen Tagen beachten?

Prinzipiell ist an heißen Tagen zu beachten, dass Hunden und Katzen ein kühler Ort zur Verfügung stehen sollte. Unsere Vierbeiner müssen Zugang zu frischem Trinkwasser haben und sollten keiner körperlichen Belastung ausgesetzt werden. Wenn möglich sollten längere Spaziergänge in den kühleren Morgen- und Abendstunden gemacht werden. Auch ein Beißkorb kann bei Hitze das Hecheln stark einschränken und zu Panik führen. Lange Autofahrten sollten ebenfalls umgangen werden. Vor allem im Süden kann es manchmal zu Irritationen der Fußballen kommen, obwohl die Hunde dort mit einer sehr dicken Hornschicht ausgestattet sind. Zum Schutz könnten Hundeschuhe getragen werden.

Wie sieht es mit Katzen und Hitze aus?

Katzen sind meist etwas temperaturresistenter als Hunde, aber auch ihnen macht die Hitze zu schaffen. Aufenthalte in geparkten Autos sind bei Hitze ebenso Tabu wie für Hunde. Manchmal werden Katzen mit leichten Ballenverbrennungen vorgestellt, vor allem bei Balkon- oder Terassenkatzen, die eventuell in Kontakt mit heißen Dachblechen kommen. Zwar hecheln Katzen auch selten aus Gründen der Temperaturregulation, jedoch ist das Hecheln bei der Katze meist ein deutliches Warnzeichen. Es kann auf starken Stress, Überhitzung, Lungen- und Herzerkrankungen zurückzuführen sein und muss bei Bedarf abgeklärt werden.

Aber auch in angenehm kühlen Sommernächten steckt Gefahrenpotential. Leider fallen an solchen Abenden, aus tierärztlicher Erfahrung, die Katzen oft wie die Fliegen aus den Fenstern. Ein entsprechendes Katzengitter ist unumgänglich, da sogenannte Fensterstürze je nach Höhe zu katastrophalen Verletzungen führen können.

Im Sommer gibt es also einiges zu beachten, um die warmen Monate auch mit seinem vierbeinigen Wegbegleiter genießen zu können.

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Ines Nowotny ist Tierärztin in der Tierklinik Dr. Hutter in Wien. Ihre Spezialgebiete sind bildgebende Diagnostik, Interne Medizin und Weichteilchirurgie.
Mag. med. vet. Ines Nowotny

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