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Versicherungsgeschichten

Der große Brand von London 1666

Die Zerstörung des mittelalterlichen Londoner Stadtkerns führte dazu, dass Nicholas Barbon die erste auf Feuerversicherungen spezialisierte Versicherungsgesellschaft der Geschichte gründete.

16. April 2015, Text: Andrès Ortiz, Helvetia Spanien, Fotos: Helvetia

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In der Versicherungsgeschichte genaue Zeitangaben zu machen ist kein Leichtes, geht das Versicherungsprinzip laut vielen Gelehrten doch bereits auf die Antike zurück. Aber es gibt konkrete Ereignisse in der Geschichte, an denen sich die Entstehung bis dato unbekannter Aspekte des Versicherungswesens festmachen lässt. So verhält es sich auch beim Großen Brand von London im Jahre 1666 und der offiziellen Geburtsstunde der Feuerversicherung.

London dem Erdboden gleich gemacht

Der Große Brand gilt als einer der großen Unglücksfälle der Geschichte, und dies nicht von ungefähr, machte er doch nahezu die gesamte Hauptstadt Großbritanniens dem Erdboden gleich. Und doch hatte er, trotz der Zerstörung und persönlichen Tragödien für die Einwohner, auch positive Auswirkungen. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Nutzen einer Versicherung weit höher geschätzt als zuvor. Das Feuer nahm am 2. September 1666 in der Bäckerei von Thomas Farriner in der Pudding Lane seinen Ausgang. Von dort breitete es sich schnell aus, was laut den Geschichtsschreibern vor allem auf den starken Wind und den Umstand zurückzuführen war, dass die Errichtung von Feuerschneisen nur langsam voranging (zu dieser Zeit war es üblich, angrenzende Häuser abzureißen, um die Ausbreitung eines Feuers zu verhindern). Nach drei verheerenden Tagen des Brandes war der gesamte mittelalterliche Londoner Stadtkern innerhalb der alten römischen Stadtmauer den Flammen zum Opfer gefallen.

Willkürliche Schuldzuweisungen

Insgesamt wurden 13.200 Häuser, 87 Kirchen, 44 Gildenhäuser, das Zollhaus, die Royal Exchange, die St Paul’s Cathedral, das Rathaus, mehrere Gefängnisse, vier Brücken und drei Stadttore zerstört. Über 80.000 Menschen wurden obdachlos. Ursprünglich wurden zwar nur sechs Todesopfer verzeichnet, jüngere Untersuchungen schätzen die Zahl der Todesfälle aber weit höher ein, da die Bürger der Unterschicht und Mittelklasse sowie Obdachlose zur damaligen Zeit nicht in den Einwohnerverzeichnissen erfasst waren. In den Worten des Beamten Samuel Pepys: «Jeder versuchte, sein Hab und Gut zu retten, es in den Fluss zu werfen oder in kleine Boote. Die Armen blieben in ihren Häusern, bis sie das Feuer erreicht hatte, dann rannten sie zu den Schiffen oder von einer Anlegebrücke zur anderen.» Sobald die Flammen unter Kontrolle waren, gab es auch schon Gerüchte, wem die Schuld zuzuweisen sei. Willkürlich wurden angebliche französische oder niederländische Spione und sogar die katholische Kirche beschuldigt. Dabei gab es niemals Beweise für eine Brandstiftung.

Wegweisend für das Versicherungswesen

Die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen für die Stadt waren in jedem Fall gravierend, da man Zehntausende von Obdachlosen evakuieren und umsiedeln musste. Dies war der Moment, in dem Nicholas Barbon das Versicherungswesen für immer verändern sollte. Der Arzt gründete 1680 mitten im Wiederaufbau Londons das Fire Office. Die Versicherungsgesellschaft wurde später in Phoenix umbenannt und gilt als das erste private Unternehmen, das Feuerversicherungen anbot. Barbon, den Zeitdokumente als engagierten und durch die schlimmen Erfahrungen von 1666 tief bestürzten Menschen beschreiben, wollte eine Dienstleistung zum Schutz von Wohnungs- und Hauseigentümern im Brandfall schaffen. Anerkennung gebührt ihm dabei vor allem dafür, dass Barbon seine Organisation auf Kunden ausrichtete, die zum großen Teil aus der Mittelschicht stammten und nicht über die finanziellen Mittel der Oberschicht und des Adels verfügten.

Dienst an der Gesellschaft

Barbon verstand die Versicherung weniger als Geschäftstätigkeit denn als obligatorischen Dienst an der Gesellschaft, der so vielen Bürgern wie möglich zugutekommen sollte. Er verfolgte die Ansicht, Betroffene nicht nur finanziell zu entschädigen, sondern ihnen im Fall des Verlusts ihrer Unterkunft zu helfen. Dank der unternehmerischen Tätigkeiten von Phoenix wurden in London Schritt für Schritt Wasserspeicher eingerichtet und immer mehr versicherte Gebäude schmückten sich mit dem Siegel der Gesellschaft. Zudem schrieb Barbon - der zweimal ins britische Parlament gewählt wurde (1690 und 1695) - zahlreiche Abhandlungen über die Eigenheimversicherung und den Aussenhandel. Heute gilt er weitgehend unumstritten als Begründer der Feuerversicherung.

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