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Experte für Ver­sicherungs­betrug: «Wir kennen die Tricks»

Einmal das alte Handy fallen lassen und den Schaden der Versicherung des Kumpels melden: Solche und ähnliche «Maschen» helfen, um schnell zu Geld zu kommen. Doch Versicherungsbetrüger müssen damit rechnen, entlarvt zu werden – von den professionellen Betrugsbekämpfern von Helvetia.

6. Februar 2013, Text: Andreas Notter, Fotos: istockphoto.com

Drei Personen betrachten ihre demolierten Autos. So genannte «Autobumser» verursachen absichtlich Auffahrkollisionen, um den Schaden anschliessend bei der Versicherung geltend zu machen.
So genannte «Autobumser» verursachen absichtlich Auffahrkollisionen, um den Schaden anschliessend bei der Versicherung geltend zu machen.

Herr M*., Sie leiten das Ressort zur Bekämpfung von Versicherungsmissbrauch bei Helvetia. Wer betrügt seine Versicherung? Um welchen Typus Mensch handelt es sich?

Es gibt keinen eigentlichen «Typ Versicherungsbetrüger». Der Männer-Anteil und die Personengruppe zwischen 35 und 45 überwiegenleicht . Diese Leute haben auf Grund ihrer Familienverhältnisse die meisten Auslagen. Ein Arbeitsplatz-Verlust oder eine Scheidung und der damit verbundene finanzielle Engpass bilden dabei oft den Auslöser für einen Versicherungsbetrug.

In welchem Bereich stellen Sie die grössten Betrugsfälle fest?

In den Bereichen Hausrat, Privathaftpflicht und Motorfahrzeug verzeichnen wir die meisten Betrugsfälle. Die Vorgehensweise ist unterschiedlich. Oftmals wird bei einem Schadenfall ein Betrag geltend gemacht, der den tatsächlichen Schaden übersteigt oder ein Ereignis wird bewusst so beschrieben, dass der Schaden trotz fehlender Versicherungsdeckung beglichen wird. Sobald Auffälligkeiten beim Schadenablauf bestehen, prüfen wir den Fall. Bei Widersprüchen konfrontieren wir den Kunden damit.

Offenbar gibt es ganze Betrügerbanden, die beispielsweise Autounfälle fingieren.

Leider ist das Phänomen inzwischen auch bei uns gang und gäbe. Die Banden verursachen bewusst Autounfälle oder melden zwei bereits beschädigte Autos als verunfallt. Zum Teil rufen solche «Autobumser» nach fingierten Unfällen sogar die Polizei, um sich den Unfallhergang bestätigen zu lassen. Wir kennen die Maschen dieser Betrüger und sind sensibilisiert auf ihre Tricks.

Gibt es hier einen Austausch zwischen den Versicherern?

Dies ist wegen des Datenschutzes nur bedingt möglich. Die Versicherer können jedoch auf eine anonymisierte Datenbank mit Chassis-Nummern von Fahrzeugen zurückgreifen, über die bereits Expertisen durchgeführt worden sind. Wenn zum gleichen Fahrzeug schon mehrere Expertisen nach einem Unfallereignis vorliegen, sind dies Indizien für ein «Autobumser»-Fahrzeug. Aber nur wenn der Versicherungsnehmer beim Antrag oder bei der Schadenanzeige eine Vollmacht unterschrieben hat, dürfen wir von den anderen Versicherern Akten einfordern. Es bleibt damit eine hohe Dunkelziffer nicht aufgeklärter Delikte.

Wie gehen Sie vor, wenn Sie Versicherungsbetrügern auf die Schliche kommen möchten?

Interessant ist für uns die Vorgeschichte des betroffenen Kunden hinsichtlich Schäden oder Zahlungsverhalten. Aber auch sein soziales Umfeld bringt uns interessante Informationen. Falls sich der Betrugsverdacht erhärtet, laden wir die Person zu einem Kundengespräch ein. In rund der Hälfte der Fälle gestehen die befragten Personen auf Grund von Widersprüchen die unwahren Angaben ein, bei weiteren 30 Prozent ist die Beweislage so eindeutig, dass wir die Schadenszahlung ablehnen.

Sie sind ehemaliger Polizist, genauso wie Ihre Mitarbeitenden. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zu Ihren ehemaligen Kollegen?

Nicht einfach. Sowohl die Polizei als auch wir sind an strikte Datenschutz-Auflagen gebunden, die eine Überführung von Versicherungsbetrügern häufig erschweren. Akteneinsicht gibt es in der Regel erst, nachdem eine Strafuntersuchung abgeschlossen ist, oder Helvetia Zivilklägerin ist. Zu Gute kommt uns bei der Arbeit unsere eigene Polizei-Erfahrung: Wir haben das Gespür, Handlungsmuster und Schilderungen von Tätern zu durchschauen.

Wie ist die Rechtslage: Darf eine Versicherung von sich aus Ermittlungen anstellen?

Grundsätzlich verlangen wir von den Kunden einen Polizeirapport. Für diesen macht die Polizei jeweils die ersten Abklärungen. Bestehen gemäss Polizei Anzeichen für einen Versicherungsmissbrauch, werden wir entsprechend informiert. Aber es gibt keine Ermittlungen «Hand in Hand», dies ist nicht zulässig.

Nimmt der Versicherungsbetrug in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu?

Eindeutig. Die Versuchung, dank der Versicherung schnell zu Geld zu kommen, ist gerade bei Rezession und steigender Arbeitslosigkeit gross. Wir stellen allgemein fest, dass in solchen Zeiten auch Kleinstschäden konsequent gemeldet werden, die sonst vielleicht eher über das Haushaltsbudget bezahlt werden.

Indem wir Versicherungsbetrug aufdecken, entfalten wir eine präventive Wirkung. Wer die Sanktionen kennt – Auflösung des Vertrags, keine Entschädigung, Rückzahlung, Strafanzeige – verfällt weniger leicht der Versuchung, mit betrügerischem Verhalten zu schnellem Geld zu kommen.

Wir tun alles dafür, um Versicherungsmissbrauch zu verhindern. Wir sind erfolgreich dabei – zum Wohl unserer ehrlichen Kundinnen und Kunden, die glücklicherweise die grosse Mehrheit bilden!

* Wegen des Persönlichkeitsschutzes des Helvetia Mitabeiters ist der Name anonymisiert.
 

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