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Rechtsschutz-​Tipp #3: Rückgabe­recht bei gefälschtem Bild?

Voller Stolz leistet sich Hanna B. ein teures Bild – um kurze Zeit später festzustellen, dass es sich um eine Fälschung handelt. Der Verkäufer will es aber nicht zurücknehmen. Was nun? Die Experten von Coop Rechtsschutz wissen Rat.

27. März 2014, Text: Ioannis Martinis

Leerer Bilderrahmen an tapezierter Wand.

Draussen war es trüb und regnerisch – ein Grund mehr, zumindest drinnen für einen Farbakzent zu sorgen. Das dachte sich Hanna B. und machte sich entschlossen auf zum Brockenhaus. Ein Bild wollte sie kaufen. Nicht zu teuer sollte es sein, aber doch etwas Rechtes. Kein Kunstdruck. Kein Poster. Aus diesem Alter war sie raus.

Im Brockenhaus angekommen, blätterte sich Hanna B. durch den Kunstbestand und entdeckte ein Aquarell: Mit leichtem Strich gezeichnet und fein koloriert. Wenn da nur nicht der Preis gewesen wäre: 3‘000 Franken. Das war mehr, als Hanna B. eigentlich ausgeben wollte. Bei genauerem Hinsehen erkannte sie am unteren Rand gar einen leichten Wasserschaden. Hanna wendete sich an den Verkäufer und fragte nach, ob das Bild echt sei. Mit Kunst kenne er sich nicht aus, erwiderte dieser. Er könne ihr aber wegen des Schadens 10 Prozent des Preises erlassen.

Fälschung gekauft – was nun?

Sie werde darüber schlafen, meinte Hanna. Und als sie am nächsten Morgen wieder in ihrer kahlen Wohnung erwachte, hatte sie ihren Entscheid gefällt. Sie kaufte das Bild. Später dann der Schreck: Der Restaurator machte sie darauf aufmerksam, dass es sich um eine Fälschung handelt. Er kannte die Werke des Künstlers und konnte schon anhand des Papiers feststellen, dass es mit Sicherheit ein jüngeres Bild sei.

Enttäuscht brachte Hanna B. das Bild wieder ins Brocki – aber zurücknehmen wollte man es dort nicht. Man habe schliesslich nie bestätigt, dass es sich um ein Original handle. Hanna wendete ein, dass sie doch nie im Leben 2‘700 Franken für eine Fälschung ausgegeben hätte, und meldete den Fall bei der Coop Rechtsschutzversicherung. Uns stellte sich nun die Frage, ob Hanna Berger allenfalls getäuscht worden war und ob sie unter den gegebenen Umständen davon ausgehen durfte, dass es sich um ein Original handelte. Bilder dieses Künstlers kosten für gewöhnlich 10 bis 20 Mal mehr.

Die Wesentlichkeit des Irrtums

Da ihr die Echtheit im Brockenhaus nie bestätigt worden war, muss eine Täuschung verneint werden. Um den Vertrag rückgängig zu machen, könnte sich Hanna aber auf einen wesentlichen Irrtum berufen. Wir Juristen unterscheiden dabei die subjektive und die objektive Wesentlichkeit des Irrtums. Die subjektive Wesentlichkeit kann für Hanna ohne weiteres bejaht werden. Hätte sie gewusst, dass es sich bei diesem Bild um eine Fälschung handelt, hätte sie es mit Sicherheit nicht gekauft. Über die objektive Wesentlichkeit kann man sich jedoch streiten, zumal das Bild nur einen Bruchteil eines Originals gekostet hat und dessen Echtheit nicht bestätigt worden war.

Um trotz dieser unvorteilhaften Ausgangslage doch noch ein positives Ergebnis zu erzielen, haben wir eine einvernehmliche Lösung mit dem Brockenhaus gesucht und nach einiger Korrespondenz einen Vergleich ausgehandelt. Hanna B. konnte das Bild zurückgeben und hat 90% des Geldes zurückerhalten. So konnte dieser Fall lebensnah und unkompliziert gelöst werden.

 

Autor Ioannis Martinis

Der Autor

Ioannis Martinis ist seit 2009 bei der Coop Rechtsschutz im Rechtsdienst tätig. Er arbeitet als Jurist am Hauptsitz der Coop Rechtsschutz AG in Aarau. Zu seinen Spezialgebieten gehören das Internet- und Immaterialgüterrecht.

In der Serie «Alles, was Recht ist!» bloggen die Juristen von Coop Rechtsschutz über aktuelle Fälle und geben nützliche Tipps rund um Rechtsfragen im Alltag. Die Helvetia arbeitet seit rund zwanzig Jahren mit Coop Rechtsschutz als eigenständige Partnerin zusammen.

www.cooprecht.ch

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