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Vorsorge & Gesundheit

Fünf Fragen an Professorin Monika Bütler

Monika Bütler, Professorin für Wirtschaftspolitik an der Universität St. Gallen, legt einen ihrer Forschungsschwerpunkte auf Sozialversicherungen. Im Interview beantwortet sie Fragen zur Situation der Schweizer Altersvorsorge.

2. September 2016, Interview: Samuel Wernli, Foto: zVg

Portrait von Monika Bütler, Professorin für Wirtschaftspolitik an der Universität St.Gallen.
Monika Bütler ist Professorin für Wirtschaftspolitik an der Universität St. Gallen.

Monika Bütler, eine sinkende Anzahl aktiver Arbeitnehmender muss in der 1. Säule eine steigende Anzahl Rentner finanzieren. Weiter drückt das Minuszinsumfeld auf die Renditen aller Säulen unserer Altersvorsorge. Ist das System der drei Säulen in der Schweiz überhaupt noch zukunftsfähig?

Das System an sich schon, das Leistungsniveau hingegen lässt sich bei einer viel höheren Lebenserwartung nur dann halten, wenn das Rentenalter mit der Lebenserwartung mitzieht. Die tiefen Zinsen helfen nicht, sind aber nicht das Hauptproblem.

Wo sehen Sie dringenden Reformbedarf zur Sicherung der Altersvorsorge in der Schweiz?

Es ist ein absoluter ökonomischer Unsinn, Zinsen und Umwandlungssätze nominal vorzuschreiben. Das sind Marktparameter, die sich nicht von der Politik diktieren lassen. Es braucht hier Automatismen, welche Zinsen und Umwandlungssätze an die Marktwerte binden. Gleichzeitig braucht es aber auch Mechanismen, die für eine gewisse Versicherung zwischen den Generationen sorgen. Zum Beispiel eine Glättung der Zinsen und der Umwandlungssätze über die Zeit. In beiden Säulen müsste das Referenzrentenalter an die Lebenserwartung gekoppelt werden.  

Der Nationalrat debattiert in der Herbstsession 2016 das Reformpaket «Altersvorsorge 2020» und die Stimmbevölkerung entscheidet fast zeitgleich über die Volksinitiative «AHVplus». Wie beurteilen Sie diese bisherigen Reformbemühungen?

Eine Erhöhung der Renten steht völlig quer in der Landschaft: finanziell, demographisch, im internationalen Vergleich. Die Reformen sind sehr stark von einem politischen Machbarkeitsgedanken geprägt. Ob sich dies auszahlt, werden wir sehen.

Wem nützt ein allfälliger Leistungsausbau und kann es dabei auch Verlierer geben?

Die Gewinner sind die heutigen, eher gut gestellten Babyboomer. Verlierer sind kurz- und mittelfristig die Jungen und einige, die heute für Ergänzungsleistungen berechtigt sind; langfristig aber wir alle, weil diese Mehrleistungen nur mit grossen Mehrkosten zu stemmen sind.

Was passiert, wenn die Reform der Altersvorsorge innerhalb nützlicher Frist nicht gelingt?

Bei der AHV kurzfristig nichts, in wenigen Jahren droht aber ein nur schwer zu stopfendes Loch. Bei den Pensionskassen dürfte es schwieriger werden; einige werden die Leistungen nicht mehr finanzieren können, andere die Leistungen durch die Hintertür senken müssen – wie dies bereits heute der Fall ist.

Monika Bütler

Monika Bütler ist ordentliche Professorin für Volkswirtschaftslehre und Direktorin des Schweizerischen Instituts für Empirische Wirtschaftsforschung an der Universität St. Gallen (SEW-HSG). Sie ist Mitglied des Bankrats der Schweizerischen Nationalbank und Verwaltungsrätin bei Schindler Holding AG, Huber+Suhner AG sowie der Suva. Sie betreibt das Forum für Schweizer Wirtschaftspolitik unter batz.ch und ist auf Twitter: @batzmonika

www.batz.ch  

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