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Sport

Simon Ammann: «Ich bin nach wie vor ange­fressen»

Dieses Jahr durfte die Helvetia Generalagentur Winterthur einen besonderen Gast begrüssen: Simon Ammann kam zur Podiumsdiskussion und stellte sich den Fragen von Cyril Grin, Leiter Sportsponsoring bei Helvetia.

24. Juli 2016, Text und Fotos: Katrin Meier

Dass Simon Ammann nach Winterthur kommt, ist der Hartnäckigkeit von Helmuth Kunz zu verdanken. Der ortsansässige Generalagent von Helvetia ist seit Jahren Fan von «Simi» - für ihn ist er schlicht der beste Skispringer aller Zeiten. «Schon bei der Jahresplanung mit den Sponsoring-Verantwortlichen habe ich gesagt: ich will Simi!» Als die Zusage dann tatsächlich gekommen ist, brach Jubel aus im Team. «Die ganze Mannschaft war heiss auf diesen Abend.»

Die rund 100 Kunden, die die Kundenberater der Helvetia Generalagentur Winterthur und der Hauptagentur Schaffhausen einladen durften, waren schnell gefunden. Zum Einstieg in die Podiumsdiskussion zeigte Simon Ammann den Telemark-Schritt – ein Detail, dass die vergangene Saison des Skispringers geprägt hatte wie kein anderes.

Cyril Grin: Simon Ammann, letzten Winter habe ich ein Zitat von dir gelesen: «Ich bin 17 Jahre lang auf dem falschen Bein gelandet.» Nun möchtest du beim Telemark-Ausfallschritt wieder mit dem stärkeren rechten Bein vorne aufsetzen. Warum?

Simon Ammann: Bis 1998 bin ich auf dem rechten Bein gelandet. Dann habe ich mir bei einem Sturz mit den Inline-Skates das Innenband gerissen. Danach habe ich auf das linke Bein gewechselt – und nie mehr zurückgewechselt. Eine gewisse natürliche Landebewegung auf dem rechten Bein ist aber noch vorhanden. Ziel ist nun, diesen Automatismus wieder hinzukriegen. Es gestaltet sich aber recht schwierig, nach so vielen Jahren den Körper wieder umzugewöhnen.

Manchmal ärgern wir uns als Zuschauer ein bisschen: Da springst du so weit, und dann kommen die Stilnoten, und wir sind enttäuscht. Ist denn ein lupenreiner Telemark so wichtig?

Es hat auch mit der Sicherheit zu tun. Ich habe jetzt Familie und trage mehr Verantwortung; da überlegt man es sich zweimal, was man bei der Sicherheit optimieren kann. Die grossen Erfolge machte ich meistens mit der Weite der Sprünge; den Stil konnte man bisher eher kritisieren. Aber jetzt gibt es keinen Weg mehr zurück auf das linke Bein, den Wechsel ziehe ich durch!

Trotzdem lassen sich schwere Stürze nie ganz vermeiden; wir erinnern uns an Bischofshofen oder Planica. Hast du dadurch mehr Respekt – um nicht zu sagen Angst – vor der Landung?

Eine gewisse Barriere ist sicher vorhanden. Vor allem bei sehr weiten Sprüngen. Mein Flugsystem ist aber sehr gut. Manchmal nehme ich im Flug etwas Tempo raus, weil ich einfach einen gewissen Respekt vor der Landung habe. Zwar habe ich mich auch schon genervt, dass ich zurückgezogen habe, obwohl ich auf dem Luftpolster bis zum Schluss schön hätte fliegen können. Solche Sprünge gab es in der letzten Saison einige. Es ist sehr schwierig, im Flug abzuschätzen, ob man den Sprung bis zum Schluss sauber durchziehen kann. Dazu bleibt sehr wenig Zeit. Für mich ist das ein grosses Spannungsfeld, auch emotional. Aber es hält den Sport lebendig – ich bin nach wie vor angefressen!

Apropos angefressen: Seit Mai trainierst du wieder, auch jetzt im Sommer. Was heisst das?

Die Badesaison kommt (lacht)! Effektiv haben wir Skispringer eigentlich nur im April mehr oder weniger frei. Man neigt immer mehr dazu, das ganze Jahr zu trainieren. Das heisst, ich bin auch in den Ferien ab und zu im Gym anzutreffen. Momentan steht Krafttraining auf dem Plan. Dazu etwas Laufen und Velofahren. Unsere Grundausdauer holen wir über das stete Training – fünf Tage die Woche.

Aber was ich eigentlich wissen wollte: Machst du nun weiter oder nicht?

Ach so! Ja, sicher mach ich weiter!

Das freut uns natürlich! Was hat denn den Ausschlag gegeben, weiterzumachen? Ist es die Freude an der neuen Landung?

Ja, wenn man einen solch guten Kopfsponsor hat wie Helvetia … (lacht). Ich habe ein gutes Gleichgewicht gefunden und nach wie vor Spass an der Auseinandersetzung mit dem Sport. Generell möchte ich auch die Popularität weiter fördern, die das Skispringen in der Schweiz mit mir und Andreas Küttel erlangt hat. Der Japaner Noriaki Kasai ist 43, also fast zehn Jahre älter als ich, und flog mir letzte Saison um die Ohren!

Du bist jetzt 35. Setzt du mit zunehmendem Alter beim Training mehr auf Qualität oder auf Quantität?

Ganz klar auf Qualität. Es hat viel mit Mentaltraining zu tun, mit der mentalen Ansteuerung des Körpers. Ich muss auch in meinem Kopf die Lösung finden, damit ich einerseits meine Stärken ausspielen kann – den Absprung und den Übergang – und andererseits auch entspannt bis zur Landung fliegen kann.

Skispringen wird auch als «Psycho-Sport» bezeichnet. Wie viel spielt sich im Kopf ab?

Bei einem wichtigen Wettkampf – WM, olympische Spiele, ein entscheidender Sprung bei der Tournee – dreht sich alles um den Aufbau für diesen einen Tag, für diese drei Sprünge. Die mentale Balance bis dahin zu finden, ist eine grosse Herausforderung. Ich versuche ruhig zu bleiben, bis es losgeht. Andererseits brauche ich auch den Puls, der vor dem Start hochgeht. Bei meinen guten Resultaten hatte ich fünf Minuten vor dem Sprung einen Puls von 160 bis 180. Dabei sitze ich ja nur auf der Bank und warte auf meinen Einsatz! Ich schaue zu, wie die Konkurrenten springen und wie der Countdown läuft, bis ich an den Start darf. Ich brauche den hohen Puls, die Bereitschaft des Körpers, um für diesen kurzen Moment des Sprungs das Maximum abrufen zu können.

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