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Vorsorge & Gesundheit

Lieber diese Reform als keine

Donald Desax, Leiter Berufliche Vorsorge und Mitglied der Konzernleitung von Helvetia, ist von der Reform Altersvorsorge 2020 wenig begeistert. Trotzdem befürwortet er sie als einen ersten wichtigen Schritt. Ein Nein hätte fatale Folgen.

29. August 2017, Autor: Hansjörg Ryser, Foto: iStock

Ein alter Mann mit Gehstock wird von einer Frau einen Weg entlang begleitet.
Für Donald Desax ein Schritt in die richtige Richtung: Am 24. September findet die Abstimmung über die Reform Altersvorsorge 2020 statt.

Donald Desax, Sie setzten sich seit langem für die Reform der Altersvorsorge in der Schweiz ein. Nun liegt sie vor. Sind Sie zufrieden?

Nein, nicht wirklich.

Dann werden Sie also am 24. September gegen die Vorlage stimmen?

Ich werde ein Ja in die Urne legen.

Obwohl Sie nicht zufrieden sind? Das müssen Sie uns erklären.

Insgesamt ist die Reform ein vertretbares Paket, ein Kompromiss, der mehrheitsfähig sein kann. Die Reform ist sehr dringend und wichtig. Wenn die Altersvorsorge 2020 abgelehnt wird, dann wird es Jahre oder Jahrzehnte dauern bis zum nächsten Versuch. Ganz abgesehen davon, dass diese Reform dann vermutlich nicht besser sein wird, haben wir ganz einfach keine Zeit mehr!

Lieber keine Reform als eine schlechte, sagen Gegner.

Das sehe ich genau umgekehrt: lieber diese Reform als keine! Die schlechteste Lösung ist, wenn wir nach dem 24. September mit leeren Händen dastehen. Es gibt keine Alternative. Die Reform, die nun zur Abstimmung kommt, enthält durchaus gute Ansätze. Der Umwandlungssatz wird auf 6 Prozent gesenkt und das Rentenalter für die Frauen wird dem der Männer angeglichen, zusätzlich ist für die weiter bestehenden Verrentungsverluste eine neue Prämienart vorgesehen.

Als Versicherter bin ich da nicht so begeistert. Es gibt weniger Rente, und die Frauen müssen länger arbeiten. Wieso soll ich für diese Reform stimmen?

Die AHV und das BVG sind heute nicht nachhaltig finanziert. Wenn wir nicht rasch eingreifen, fahren wir die beiden Säulen an die Wand. Auf diese Situation gibt es drei Handlungsmöglichkeiten: Wir arbeiten länger, wir kürzen die Leistungen oder wir zahlen mehr ein. Ziel der Reform ist, das Leistungsniveau zu erhalten, weil die beiden anderen Varianten im Volk nicht mehrheitsfähig sind.

Wird der Umwandlungssatz gesenkt, dann müssen verschiedene Ausgleichsmassnahmen in der ersten und zweiten Säule greifen.

Richtig. So werden die Beitragssätze etwas erhöht, ebenso wie der versicherte Lohn. Damit fallen höhere Sparbeiträge an, was die Senkung des Umwandlungssatzes ausgleicht. Für die Übergangsjahrgänge werden zudem zusätzliche Massnahmen ergriffen. Und eine gewisse Kompensation erfolgt durch die Rentenerhöhungen in der AHV. Insgesamt erhalten wir eben nicht weniger Rente! Und wer bereits Rentner ist, hat keine Kürzungen zu befürchten.

Was stört Sie denn überhaupt an dieser Reform?

Der Gesetzgeber hat zwei Regelungen aufgenommen, die einseitig die Lebensversicherer belasten und überhaupt nichts für die Reformziele bringen werden.

Nämlich?

Erstens sollen die Risikoprämien auf 200 Prozent des erwarteten Schadens begrenzt werden. Diese Begrenzung ist sinnlos, weil über die Mindestquote ohnehin 90 Prozent der Erträge den Versicherten zustehen. Zudem sorgt der intensive Wettbewerb schon lange dafür, dass die Risikoprämien angemessen sind. Stossend ist auch, dass nur die Lebensversicherer diese Prämienbeschränkung aufgebürdet erhalten, während die teilautonomen Sammelstiftungen davon verschont bleiben. Diese Wettbewerbsverzerrung ist schlicht nicht gerechtfertigt. Zweitens soll die Zuweisung von Überschüssen an unsere Kunden gesetzlich reglementiert werden. Dadurch werden die Versicherer erheblich in ihrer Flexibilität eingeschränkt. Dies führt dazu, dass die KMU bei der Suche nach Vollversicherungslösungen mehr Mühe haben werden und die Kosten für sie mittelfristig steigen könnten.

Wieso befürworten Sie die Reform AV2020 trotzdem?

Die Senkung des Umwandlungssatzes im Obligatorium von 6.8 auf 6 Prozent, das Referenzalter 65 für Frauen und die neue Prämie für Verrentungsverluste bringen eine spürbare Entlastung für das System der Zweiten Säule. Dies wird vor allem den Versicherten zu Gute kommen. Sie müssen wissen, dass derzeit gemäss unseren eigenen Berechnungen das Alterskapital jedes Neurentners pro 100'000 Franken um 34'000 Franken erhöht werden muss, damit die Rente bis an sein Lebensende reicht. Dieses Geld wird den aktiv Versicherten belastet, indem diese eine tiefere Verzinsung erhalten. Letztes Jahr wäre die Verzinsung der Altersguthaben ohne diese Quersubventionierung beispielsweise um 1,6 Prozent-Punkte höher ausgefallen.

Und was bewirkt die Senkung des Umwandlungssatzes? Ist diese Quersubventionierung damit beseitigt?

Leider nicht ganz. Bei einer erwarteten Kapitalrendite von zwei Prozent pro Jahr wird dieser Fehlbetrag mit einem Umwandlungssatz von 6 Prozent erst auf 19'000 Franken verringert.

Das heisst, es braucht bald weitere Reformen?

Ja, diese Reform ist ein erster wichtiger Schritt. Doch weitere Schritte müssen zügig in Angriff genommen werden. Die Finanzierung der AHV ist bloss bis 2030 einigermassen gesichert. Durch die weiter ansteigende Lebenserwartung steigt auch der Anteil der Rentenbezüger weiter an. Während noch 1970 auf einen Rentner fünf Beitragszahler kamen, werden es 2040 bloss noch zwei Beitragszahler sein. Das führt für die Erwerbstätigen zu einer nicht mehr tragbaren, finanziellen Belastung.

Was, wenn die Reform scheitert?

Dann beginnen wir wieder auf Feld 1. Die Zeit wird uns davon laufen. Reformen in der Altersvorsorge benötigen in der Schweiz Jahrzehnte. So lange können wir nicht mehr warten. Wenn die Reform am 24. September abgelehnt wird, dann werden die AHV und das BVG immer stärker in finanzielle Schieflage geraten und die Politik wird zu weit drastischeren Schritten als jetzt geplant greifen.

Was heisst das für Helvetia? Steigen wir dann aus der Vollversicherung aus?

Wir setzen alles daran, den KMU in diesem Land weiterhin eine breite Palette an Lösungen in der 2. Säule bieten zu können – von der Vollversicherung bis zu teilautonomen Lösungen und individuellen Kaderplänen. Allerdings würden wir bei den Vollversicherungen im Neugeschäft noch viel selektiver agieren müssen, ganz einfach um die Verlustquellen für unsere bestehenden Kunden möglichst gering zu halten.

Donald Desax

Donald Desax

Donald Desax ist Leiter Berufliche Vorsorge und Mitglied der Konzernleitung von Helvetia.

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