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Eva Bajer, deutsche Einwanderin: «Schon als Kind habe ich Rivella geliebt»

Eva Bajer ist Creative Director bei der Zürcher Werbeagentur Startbahnwest. Die 37-jährige Deutsche kam 2010 aus beruflichen Gründen in die Schweiz. Im Gespräch verrät sie, welches ihre Lieblingsorte sind, wie sie – aus neuer Perspektive – ihre Landsleute beurteilt und warum sie hier bleiben möchte. Eine Aufzeichnung.

31. Januar 2013, Text: Crafft, Fotos: Jürg Waldmeier

«In die Schweiz bin ich aus reinem Zufall gekommen. Die Agentur Startbahnwest suchte eine Vertretung für drei Monate. Ich dachte, das musst du unbedingt machen. Von Zürich war ich auf Anhieb echt begeistert, nach zwei Wochen nahm ich bereits an der Seeüberquerung teil. Zuvor kannte ich die Schweiz nur aus den Ferien: Wir waren immer am Vierwaldstättersee oder zum Skifahren im Wallis. Schon als Kind habe ich Rivella über alles geliebt – für Deutsche doch eher ungewöhnlich.

Ich wurde in Prag geboren; meine Mutter ist Tschechin, mein Vater Sudetendeutscher. Als ich fünf Jahre alt war, hatten meine Eltern genug vom Kommunismus. Sie wollten Bananen und Orangen essen und in der Welt herumkommen. Wir zogen nach Mainz, wo ich mein Abitur machte und Mediendesign studierte. Später arbeitete ich beim ZDF; ich war für die sogenannte Senderverpackung zuständig – darunter versteht man Infotafeln, bewegte Grafiken oder den Vorspann einer Krimiserie.

Zürich: gemütliche Urbanität

2004 landete ich als Grafikerin in der Berliner Werbeszene. In dieser Zeit hatte ich absolut kein Privatleben mehr, vor 22 Uhr kam ich selten nach Hause. In Berlin war permanent Party und Highlife. An jeder Ecke ist ein wahnsinniger Hype, alle sind unglaublich kreativ. Mit der Zeit wurde mir das zu anstrengend. Ich fing an, mich nach einem bodenständigeren Leben zu sehnen. Da kam das Angebot aus Zürich genau richtig. Und aus den drei Monaten wurde glücklicherweise eine Festanstellung als Kreativdirektorin.

Erstaunlicherweise ist mir erst in der Schweiz aufgefallen, wie die Deutschen sind und dass manche Klischees gar nicht so falsch sind. Der typische Deutsche kommt und sagt: «Hier bin ich!». Der Schweizer ist da zurückhaltender. Diese Höflichkeit ist mir persönlich sehr angenehm. Die Schweizer gehen mehr auf Distanz, auch körperlich. Das merkt man zum Beispiel, wenn man in ein Tram einsteigt. In Berlin spürt man da immer schon den Atem des Hinteren im Nacken ...

Dabei ist Zürich trotzdem mondän und innovativ. Es ist eine eher gemütliche Urbanität, nicht so exzessiv und durchgedreht wie in Berlin. Ich habe überhaupt keinen Bock, wieder nach Deutschland zurückzugehen. Meine Zukunft plane ich in Zürich.

Schweiz: zwischen den Zeilen lesen

Mein Lieblingsort ist die Limmat. Ich liebe es, bei der Werdinsel ins Wasser zu springen. Im Sommer gehe ich jeden Tag schwimmen, oder ich jogge der Limmat entlang nach Hause. Das Wasser ist mein Element: Geboren wurde ich an der Moldau, dann lebte ich am Rhein, ich machte ein Praktikum an der Themse und arbeitete an der Spree. Und jetzt arbeite ich direkt an der Limmat. Am Wochenende mache ich oft Bergtouren, gehe klettern oder snowboarden. Demnächst will ich unbedingt mal eine Schneeschuhwanderung machen. Irgendwie fühlt man sich hier jeden Tag wie in den Ferien.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist in der Schweiz nur, dass hier manche Dinge sehr indirekt und umständlich angesprochen werden. Man muss lernen, zwischen den Zeilen zu hören, wenn man verstehen will, worum es eigentlich geht. Auf Deutschenfeindlichkeit bin ich noch nie gestossen. Mein Freund – er ist Spanier und in der Schweiz aufgewachsen – meinte, vielleicht sei es mir einfach nicht aufgefallen, da mir als Deutsche einfach die feinstoffliche Antenne fehle, um dies zu erkennen …»

Eva Bajer ist Kundin der Helvetia.

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