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Victorinox - ein Stück Schweizer Tradition

Bei Victorinox werden im Sekundentakt Messerklingen ausgestanzt: Ein Besuch in den Produktionshallen in Ibach (SZ), wo jeden Tag 60'000 Taschenmesser vom Band gehen und in alle Welt geliefert werden.

15. April 2013, Text: Seraina Heierli, Fotos: Roland Tännler

Haben Sie schon einmal von Ibach gehört? Nein? Da sind Sie nicht die einzigen. Steigt man dort aus dem Bus, wähnt man sich irgendwo im Nirgendwo. Umgeben von dicht aneinandergereihten Berggipfeln liegt das beschauliche Dorf mitten im Herzen der Schweiz. Doch so unbekannt der kleine Ort ist, so bedeutungsvoll ist seine Geschichte. Mitten in diesem Bergpanorama steht eine Fabrik. Eine Fabrik, die seit über 125 Jahren nicht nur für Ibach selbst, sondern für die ganze Schweiz von grosser Bedeutung ist: Die Marke Victorinox ist seit ihrer Gründung in Familienhand; und heute mit 900 Angestellten die grösste industrielle Arbeitgeberin im Kanton Schwyz.

Ein solides Handwerk

Schon beim Betreten des Fabrikgebäudes steigt einem der Geruch von Stahl in die Nase. Schnell ist klar: Die mächtigen Stahlrollen walzen hier fast Tag und Nacht. Bereits im der ersten Produktionshalle rumpelt es gewaltig. An verschiedenen Maschinen werden im Sekundentakt Messerklingen ausgestanzt. «Die Technik kann den Menschen aber nicht ganz ersetzen», erklärt Urs Wyss, Leiter Werbung und Sponsoring bei Victorinox. Bei den Klingen für die Haushalts- und Berufsmesser müssen die Stahlbänder von Hand in die Maschine eingeführt werden. Leicht, ja geradezu grazil wirken die Rollen, wenn sie mit dem Werk-Kran in die richtige Position gebracht werden. Den Fuss solle man aber lieber nicht darunter halten, mahnt ein Arbeiter. Die Rollen seien mehrere Tonnen schwer.

Wie eine grosse Teigmaschine

Der Lärm im nächsten Produktionsraum ist ohrenbetäubend. Hier drinnen werde «trowalisiert», erklärt Wyss; so wird das Schleifen der Metalloberflächen im Fachjargon genannt. Noch bevor er das Wort fertig ausgesprochen hat, ist es schon im Rattern und Poltern der Maschinen untergegangen. Verantwortlich für den Lärm ist ein etwa ein Meter breiter Kessel, der aussieht wie eine grosse Teigmaschine. Darin befinden sich Tausende von kleinen Keramiksteinen sowie die ausgestanzten Klingen für die künftigen Taschenmesser. Wie in einem Schüttelbecher schlagen die Steine auf die Messerklingen und polieren so die rauen Kanten, die beim Stanzen entstanden sind. Im nächsten, etwas ruhigeren Bereich, befinden sich die Schleifmaschinen. Hier werden die Klingen auf ihre endgültige Dicke geschliffen. «60'000 Taschenmesser werden hier jeden Tag produziert», sagt Urs Wyss.

64 Teile für ein Messer

In einem Taschenmesser steckt viel Schweizer Handarbeit: Der Victorinox Klassiker «SwissChamp» besteht aus 64 Einzelteilen. Zurück in der Produktion sind alle Einzelteile fertig gestanzt, geschliffen und poliert. Jetzt werden sie in Handarbeit zum Endprodukt zusammengesetzt. Das passiere aber nur zum Teil im Unternehmen selbst. «In diesem Bereich gibt es noch die traditionelle Heimarbeit». Dazu sagt auch Victorinox-CEO und Erbe Carl Elsener jr. gerne etwas: «Meine Geschwister und ich haben jeweils in den Sommer- und Weihnachtsferien in der Firma geholfen, Taschenmesser einzupacken.» Damit hätten sie ihr erstes Taschengeld verdient. «Wir haben gewetteifert, wer die meisten Messerli pro Stunde einpacken kann», erzählt er und lacht.

Inzwischen nimmt das Taschenmesser langsam Formen an. Sind die Teile komplett, muss nur noch die Kunststoffschale aufgepresst werden. Nach der Endkontrolle gelangen die Produkte schliesslich in den Verkauf.

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