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Haar­flechter Jakob Schiess: «Ich habe zu jedem Zopf einen Bezug»

Haarflechter gibt es nur noch eine Handvoll in der Schweiz. Helvetia Mitarbeiter Jakob Schiess ist einer von ihnen. Er verarbeitet Haar zu Schmuck. Was ihn zu diesem ausgefallenen Kunsthandwerk führte, erzählt er im Video-Portrait.

11. März 2014, Text: Isabella Awad, Fotos und Video: Katrin Meier

«Ich habe etwa hundert Zöpfe gut eingepackt und aufbewahrt», sagt Jakob Schiess. «Und zu jedem gibt es eine Geschichte.» Fast als Beweis wickelt er eine dunkelblonde, geflochtene Pracht ganz sachte aus dem Seidenpapier und legt sie vor sich auf den Stubentisch. «Dieser Zopf ist etwa 80 Jahre alt. Es ist der Jugendzopf einer Frau, die ich gut kannte.»

Oma ist schuld

Als Schüler schenkte ihm seine Oma die Uhrenkette des Opas. Geflochten aus dem Haar einer Verwandten, gefasst in Rotgold. Ein Schmuckstück, das lange verborgen blieb – bis er es vor sieben Jahren wieder in die Hände nahm. Jakob Schiess war damals auf der Suche nach einem Hobby, das er auch im Rollstuhl ausüben konnte. Mit Leidenschaft hatte er früher Appenzeller Brauchtum betrieben – seit dem Verkehrsunfall vor 16 Jahren ist dies nicht mehr möglich. Dafür wusste er nun: «Ich wollte lernen, aus Haaren Schmuckstücke zu flechten». Dass es sogar eine Appenzellerin gibt, die dieses Handwerk beherrscht, war ein Glücksfall. Sieben Jahre ist das jetzt her.

Haar ist nicht gleich Haar

«Ich kann fast jedes Haar verarbeiten», sagt Jakob Schiess. Menschenhaar, Pferdehaar, Kuhhaar – und sogar Geissenhaar. Ab und zu erhält er ein Päckli mit einem Zopf und einem Brief dazu. «Ich möchte wissen, wessen Haare ich verflechte. Noch schöner ist es, wenn ich diese Personen kenne», sagt er. Für ein Schmuckstück brauche es aber keinen ganzen Zopf, ein kleines Büschel Haare reichten bereits. Um vernünftig flechten zu können, müssen die Haare aber mindestens 20 Zentimeter lang sein. Das Haar darf nicht behandelt, nicht gefärbt und vor allem nicht gebleicht sein.

«Äächeli» und «Blööschteli»

Im Repertoire des Haarkünstlers sind Ringe, Halsschmuck, Armbänder, Broschen. Nebst modernen Kreationen flechtet er immer wieder Appenzeller Trachtenschmuck. Zum Beispiel die berühmten «Äächeli», Ohrhänger in Eichelform – ein Zeichen der Fruchtbarkeit. Oder die «Blööschteli», Anhänger in Tropfenform.

Die meisten Kunden bringen ihre eigenen Haare mit; oder die der Tochter oder der Mutter. So ist die Arbeit an einem Schmuck immer auch eine sehr emotionale: Da war ein Mann, der einen Ring aus den Haaren seiner Töchter und seiner Frau flechten liess. Eine Kundin, die aus ihrem Haar und dem ihrer verstorbenen Schwester einen Halsschmuck fertigen liess. «Es gibt Kunden, die eine klare Idee mitbringen, andere lassen sich im Gespräch inspirieren», sagt Jakob Schiess. Je nach Schmuckstück suche er dann ein passendes Flechtmuster. Das fertige Flechtwerk wird in destilliertem Wasser gekocht, damit es für immer seine Form behält. Die Teile in Silber oder Gold fertigt ein Fachmann. Anschliessend fasst Jakob Schiess Haar und Edelmetall zusammen. Wenn er dann, nach vielen Stunden Arbeit, das Schmuckstück seiner Trägerin übergibt, schaut er hin und wieder in feuchte Augen.

Momentan seien Ringe im Trend, sagt Jakob Schiess – schön natürlich, wenn man einen Bezug hat zum Haar, das verarbeitet wird.

Mit Locke und Bibel

Das Haarflechten gehört zum Mitteleuropäischen Kunsthandwerk und Kulturerbe. Unter Königin Viktoria im 18. Jahrhundert hatte edel verarbeitetes Haar denselben Wert wie Gold und Silber. Viele Männer schenkten ihrer Angebeteten einen Schmuck aus Haar. Eine Locke und eine Bibel war damals bereits ein Verlobungsgeschenk.

www.schmuckaushaaren.ch  

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