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Die drei Gedächtnisse der Liselotte Weiss

Die Fantasie in C-Moll sei das Tiefempfundenste und Ausdrucksstärkste, was Mozart für Klaviersolo geschrieben habe, sagt Liselotte Weiss. Die weitgereiste Pianistin lernte durch die Musik das Leben kennen. Ein Besuch bei der 79-jährigen Künstlerin und Helvetia Kundin in Oberägeri.

24. Juli 2016, Text: Isabella Awad, Fotos: Dan Cermak, Video: Katrin Meier

Am Salontisch im Wohnzimmer ihres Anwesens in Oberägeri erzählt Liselotte Weiss von der Liebe ihres Lebens – der Musik. Als Kind habe sie sich fremd gefühlt in dieser Welt, erinnert sie sich. Aber dann sagte sie sich: «Wenn ich schon mal hier bin, mach ich das Beste draus.» Mit acht bekam sie ihren ersten Klavierunterricht bei einem Schreibwarenhändler im Dorf. «Da machte es Klick und ich hatte das Piano als ‹mein Vehikel› entdeckt! Durch die Musik lernte ich das Leben kennen.»

Zum Klavierunterricht nach New York

Als sie nach dem Abitur mit 19 Jahren an einem Konzert in Paris den chilenischen Pianisten Claudio Arrau hörte, wusste sie, bei ihm wollte sie lernen. «Ich bin einfach zu ihm hin gegangen und er hat mich akzeptiert.» Wo er denn unterrichte, fragte sie ihn. Die Antwort lautete: In New York. Und so studierte die junge Frau zwei Jahre in New York bei einem der Grössten seines Fachs. Auch nach der Rückkehr nach Deutschland blieb sie noch viele Jahre mit Claudio Arrau in Kontakt; er unterrichtete sie immer, wenn er in Deutschland tourte und sie reiste ihm nach – quer durch Europa. Mit 24 entschied die eigenwillige Liselotte Weiss, von nun an «pianistisch» auf eigenen Füssen zu stehen.

Einer, der zuhören kann

Sie lacht laut bei der Frage, wie sie denn ihren Mann, den schwedischen Verleger Sven-Erik Bergh, kennengelernt habe. «An einer Faschingsparty eines gemeinsamen Freundes in Düsseldorf.» Der Verleger Bergh war geschäftlich aus Malmö angereist. «Wir haben getanzt. Er wollte mehr über mich wissen. Ich sagte: ‹Meins ist die Musik, da musst du zuhören.›» Einen ganzen Nachmittag hätten sie in einem Klaviergeschäft verbracht, sie spielte und er hörte zu. «Ich sagte meinen Eltern: Der hat vier Stunden zugehört – das könnte ernst werden.» Und es wurde ernst: Heirat 1970, Geburt der Zwillingstöchter Bettina und Sylvia 1976.

Dinge passieren von selber

Im Pavillon, einer Art Nebenhaus, steht ein gigantischer Bösendorfer Konzertflügel. Liselotte Weiss hebt den schwarzen Deckel und hat sofort eine Idee: Mozarts Fantasie in C-Moll. «Das ist das Tiefempfundenste und das Ausdrucksstärkste, was Mozart für Klaviersolo geschrieben hat.» Ein Lieblingsstück? Sie liebe immer das Stück besonders, das sie grade studiere. «Ich bin wie eine Schauspielerin, lerne Noten auswendig, spüre die Atmosphäre und übe. Dann gehe ich aufs Podium und stelle es nur noch dar, das hat mit meiner Person nichts mehr zu tun. Die Dinge passieren dann von selber. Von der Musik habe ich viel fürs Leben gelernt.»

Die Finger spielen von alleine

Man kann Liselotte Weiss viele Stunden zuhören, nicht nur wenn sie Piano spielt. Sie hat in ihrem Leben interessante Menschen getroffen, spannende Situationen erlebt und traumhafte Orte gesehen; daran lässt sie den Zuhörer teilhaben und hat alles im Gedächtnis, als ob es gestern passiert wäre. Apropos Gedächtnis, davon gebe es drei: Zu Beginn lerne sie die Noten auswendig und richte die Fingersätze ein. Sie wiederhole kurze Abschnitte, bis die Finger sie von alleine können – das sei das physische Gedächtnis. Mit dem akustischen höre man, ob die Töne richtig oder falsch sind. Und das sicherste sei das optische Gedächtnis: «Ich fotografiere die Noten innerlich ab und wenn eine Unsicherheit aufkommt, sehe ich die Stelle bildlich vor mir.» Anschliessend erspürt sie den geistig-seelischen Gehalt der jeweiligen Musik.  

Roger O. Karlen

Roger O. Karlen

Roger O. Karlen berät Pianistin Liselotte Weiss in Versicherungsfragen. Er ist Eidg.dipl. Versicherungsfachmann und arbeitet als Kundenberater auf der Helvetia Generalagentur Zürich Altstetten.

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