Cookie Disclaimer

Helvetia verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service bieten, sowie Informationen und Angebote unterbreiten zu können. Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden. Weitere Informationen zum Datenschutz und über Cookies

  • Mich interessieren
    Bitte prüfen Sie Ihre Internetverbindung
    Leider haben wir keine passenden Einträge gefunden.
    Nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf. Zum Kontaktformular










«Die Farbenflut wird Augäpfel und Gedanken erfrischen»

In einem Interview hat Pipilotti Rist die Hintergründe zu ihrem Kunst-am-Bau-Projekt erklärt, das sie am renovierten Teil des ehemaligen Hauptsitzes von Nationale Suisse in Basel realisierte.
kab-perlenvorhang-pipilotti-rist

Pipilotti Rist, du wirst überhäuft mit Anfragen aus der ganzen Welt. Was hat dich bewogen, diesen Auftrag anzunehmen?

Pipilotti Rist: Mir gefiel die seriöse und spannende Sammlungstradition eurer Firma. Das Konzept des Umbaus mit dem proaktiven Einbezug von Kunst und unser erstes angenehmes Treffen haben mich auch überzeugt. Dass ich am Abend nach getaner Arbeit ins eigene Bett fallen kann, ist zudem eine einladende Perspektive.

Inwiefern unterscheidet sich deine Herangehensweise an ein solches Projekt von Werken, die du für ein Museum realisierst?

Das Kunstwerk muss für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter länger als drei Monate funktionieren. Im Museum rechne ich mit punktueller Konzentration des Besuchers. In einem gemeinsamen Nutzraum möchte ich beiläufige und sich wiederholende Erquickungen erzeugen.

Ein Grossteil deiner Werke sind Videoarbeiten. Warum gibt es am Steinengraben keine Projektion?

Grosse Videoarbeiten, die man jeden Tag sieht und hört, könnten einem auf den Wecker gehen. Mit Miniaturprojektionen kann man diese Gefahr zwar umschiffen, aber das Treppenhaus fragt nach einer grosszügigen Geste.

Wie ist die Idee für die «Farbdusche», wie du das Werk genannt hast, entstanden?

Die wunderbare Fensterfront bot die Möglichkeit, mit der Sonne – die ich den grössten Projektor nenne – zu arbeiten. Die farbigen «Kristallkugeln» bedeuten auch Pixel und sind eine Hommage an die drastisch verbesserten Auflösungen der letzten Jahre. Diese «Farbdusche» stellt eher das Erlebnis dar, das man erfahren wird, und ist der provisorische Arbeitstitel, den besten Titel suche ich noch.

Was war für dich bei diesem Projekt die grösste Herausforderung?

Das Bestimmen des Bildes, der Farben und der Abstände sind die Nüsse, die ich in meinem Atelier mit meinem kleinen, feinen Team knacke. Das Licht wird vor Ort mithilfe eines Musters zusammen mit dem Architekten und dem Lichtplaner entschieden. Für das Herstellen und Einfärben der transparenten, facettierten Kunststoffkugeln durfte ich wunderbare Industriebetriebe kennenlernen. Es ist für alle Neuland.

Die Kuratorin Stephanie Rosenthal schrieb über dich: «Rist behandelt ihre Rezipienten wie gute Freunde. Sie fühlt sich verantwortlich für sie, (…), sie möchte ihnen etwas geben, (…).» Was gibst du den Betrachtern deines Werkes mit auf den Weg?

Das Funkeln und das Bild werden sich mit den Treppenauf- oder Treppenabsteigenden, dem Wetter und der Tageszeit verändern. Die Farbenflut wäre am Arbeitsplatz nicht möglich, sie wird aber die Augäpfel und Gedanken in diesem eleganten Transitraum erfrischen.

(Januar 2014)

Diese Seite weiterempfehlen