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Gut zu wissen
Haus & Wohnen

Blitzschutz: Welche Versicherung zahlt bei Blitzeinschlag?

Allein im Jahr 2017 wurden in Deutschland 410.000 Blitz- und Überspannungsschäden an Versicherungen gemeldet. Die dadurch verursachten Kosten sind immens und belaufen sich laut Gesamtverband der deutschen Versicherer auf rund 330 Millionen Euro. Gegen Blitze als höhere Gewalt kann man selbst natürlich nicht viel machen. Aber man kann vorsorgen für den Fall der Fälle. Wie sichere ich mich und mein Eigentum richtig gegen Blitzeinschlag? Und gibt es EINE Versicherung, die alle entstehenden Folgekosten abdeckt?

Text: Christiane Gagel, Foto: iStock

Blitzschlag

1. Wohngebäudeversicherung: auf einen (Blitz-)Schlag ist das Haus unbewohnbar?

Zugegeben, ein Dachstuhlbrand und damit Unbewohnbarkeit des Hauses ist der Worst Case im Falle eines Blitzschlages. Die massive Hitzeentwicklung beim Blitzeinschlag entzündet brennbare Materialien leicht. Da Dachstühle meistens aus Holz sind und das natürlich besonders gern brennt, kommt das gar nicht mal so selten vor. Im Versicherungsjargon bezeichnet man so etwas als »zündender Blitzschlag« und der ist in den meisten Fällen über die Brandversicherung versichert.

Der bekannteste Blitzschutz für das Gebäude selbst ist der gute alte Blitzableiter, den man durch eine Fachfirma installieren lassen sollte. Weil Blitze sich immer den Weg des geringsten Widerstands suchen, ist der Blitzableiter der beste Schutz für ein Gebäude – egal ob Einfamilienhaus oder Turm.

Bei einem Blitzeinschlag wird schlagartig eine unvorstellbar große Menge Energie frei und fließt in Sekundenbruchteilen durch die Armierungen, Wasserleitungen oder das Stromnetz des Gebäudes. Um diese (brand)gefährlichen Überspannungen zu vermeiden, sollten grundsätzlich alle metallenen Einrichtungen, Leitungen und Kabel beim Gebäudeeintritt mit der Haupt-Erdungsschiene des Hauses verbunden sein. Durch hintereinander geschaltete Schutzeinrichtungen (Überspannungsableiter) in den Verteilerdosen im Haus selbst sind empfindliche Elektrogeräte wie Telefon und Fernseher oder die smarte Hauselektronik vor einer Überspannung bzw. Kurzschluss bei Blitzschlag geschützt.

Die Kosten für eine Brandsanierung am Haus nach einem Blitzeinschlag kann sich schnell auf mehrere zehntausend Euro summieren. Aber auch die Beseitigung vergleichsweise harmloser Schäden am Zuhause wie:      

  • aufgeplatzter Wände im Bereich von Strom- oder Wasserleitungen
  • aus der Wand geflogener Verteilerdosen
  • Kabelschmorbränden

können in Summe ganz schön aufs Portemonnaie schlagen.

Die Kosten für den Blitzschutz sind immer auch von der Größe des Objekts (Einfamilienhaus, Mehrfamilienhaus, mit oder ohne Photovoltaik-Anlage etc.) abhängig. Der Blitzableiter, auch äußerer Blitzschutz genannt, wird in drei Komponenten unterteilt: die Fangeinrichtung, die Ableitungseinrichtung und die Erdung. Für ein Einfamilienhaus belaufen sich die Installationskosten für den fachgerechten Blitzschutz auf ca. 3.500 bis 4.000 €. Will man ein ungeschütztes Haus nachrüsten sollte man dafür ca. 2.000 bis 3.000 € einplanen. Die Installation rechnet sich auch, weil einige Versicherungsanbieter natürlich auch Vorteile bei der Prämiengestaltung bieten, wenn das Haus rundum richtig abgesichert ist.

Eine gute Wohngebäudeversicherung übernimmt alle entstehenden Kosten für Reparaturen am Wohngebäude oder damit verbundenen Einrichtungen.

Unser Expertentipp:

Eine umfassende Wohngebäudeversicherung übernimmt alle Schäden, die an versicherten Wohngebäuden ursächlich durch den Blitzschlag herbeigeführt werden. Das bedeutet: Schlägt der Blitz in den Schornstein ein, beschädigt das Dach und es regnet rein, dann ist entstehender Schaden durch die Versicherung abgedeckt. Genauso alle weiteren Kosten wie: Überprüfung der gesamten Elektrik, Austausch von Steckdosen, Putzschäden an der Fassade etc. Informieren Sie sich unbedingt vor dem Vertragsabschluss, ob Blitzeinschläge bei Ihrem ausgewählten Tarif mitversichert sind.

2. Hausratversicherung: Was bedeutet eigentlich »Überspannungsschäden mit versichert«?

Besonders in der Hauptgewitterzeit zwischen Juni und August blitzt es in Deutschland über 2 Millionen Mal, davon rund 700.000 Mal allein im Monat Juli. Dabei reicht es schon, wenn der Blitz im Umkreis von ein paar Kilometern beispielsweise in einen Stromverteiler einschlägt. Gelangt Blitzenergie ins Stromnetz des Hauses, können Schäden an sämtlichen Elektrogeräten entstehen. Hier hilft ein einfacher Tipp: Ziehen Sie die Stecker Ihrer elektrischen Geräte.

Doch was ist, wenn Sie gar nicht zuhause sind? Dann kann man sich mit vorgeschalteten »Überspannungsableitern« oder speziellen Blitzschutzanlagen schützen. Doch Vorsicht: Eine einfache Steckerleiste mit Überspannungsschutz hilft nur gegen allgemeine Spannungsspitzen, die im Stromnetz immer mal wieder auftreten. Bei Blitzeinschlag sind sie wirkungslos und die Geräte gehen trotzdem kaputt. Daher explizit darauf achten, dass sie auch gegen Überspannung durch Blitzeinschlag helfen.

Generell gilt: Wenn Sie sich unsicher sind, ob überall ausreichender Blitzschutz gewährleistet ist, sollten Sie schon wenn das Gewitter naht doch lieber den Stecker ziehen. Ein einzelner Toaster kostet zwar nicht die Welt und ist schnell ersetzt, aber wenn nach einem Blitzeinschlag Fernsehgerät, Computer, Teile der Haustechnik, die Waschmaschine und der Trockner ersetzt werden müssen, kommt schnell ein nicht unerhebliches Sümmchen zusammen. Zusätzlich dazu muss man noch den Zeitaufwand rechnen, um die zerstörten Dinge wieder zu beschaffen.

Ein kleines Trostpflaster: Wenn Sie die Hausratversicherung abgeschlossen haben, erhalten Sie für alle zerstörten Geräte zumindest finanziellen Ersatz. Es muss nur zweifelsfrei feststehen, dass die Geräte tatsächlich durch die Auswirkungen des Blitzeinschlags kaputt gegangen sind.

Unser Expertentipp:

Überspannung durch Blitz bedeutet: Infolge eines Blitzes oder sonstige atmosphärisch bedingte Elektrizität entsteht an versicherten Sachen oder Einrichtungen und Geräten ein Kurzschluss, eine Überspannung oder Überstrom und macht sie kaputt. Informieren Sie sich, ob Überspannung durch Blitz in Ihrem gewählten Tarif integriert ist und ob Ihr Versicherer zum Neu- oder Zeitwert entschädigt. Der technologische Fortschritt gerade bei Heimelektronik wie Waschmaschine, Trockner, Telefonanlagen oder einem Entertainment-System kann schnell ins Geld gehen, wenn Sie für all die Geräte nur eine Entschädigung zum Zeitwert erhalten.

3. Blitzschutz im Auto: Was passiert mit dem Steuergerät?

Autos gelten gemeinhin als Faraday’scher Käfig also als »eine allseitig geschlossene Hülle aus einem elektrischen Leiter, die als elektrische Abschirmung dient« (Quelle: Wikipedia). Einen Blitzschlag wird man in der Regel überleben, wenn man im Auto sitzt und sich vom Metall der Karosserie fernhält. Bei den modernen Fahrzeugen gibt es allerdings Einschränkungen: In einer parkenden Limousine braucht man sich keine Gedanken zu machen. Hier wird über die metallene Rahmenkonstruktion des Fahrzeugs die Energie in die Erde geleitet. Anders sieht es bei Fahrzeugen mit einem hohen Kunststoffanteil wie beispielsweise Wohnmobilen aus. Hier fehlt der schützende Metallrahmen des Faraday’schen Käfig. Der Effekt bleibt dementsprechend aus. Für Limousine und Wohnmobil gilt jedoch gleichermaßen: Schlägt der Blitz während der Fahrt ein und die Fahrzeugelektronik nimmt Schaden, wird es gefährlich. ESP oder ABS könnten ausfallen, der Airbag ausgelöst werden oder das Fahrzeug schlicht aus gehen und plötzlich stehen bleiben. Für den Austausch eines defekten Steuergeräts kommen je nach Fabrikat zwischen 500 bis 2.000 € zusammen. Rechnet man die Arbeitsstunden und eventuell eine Fehlersuche hinzu, steigt die Summe recht schnell auf ca. 3.000 €. Autsch!

Oft erschrickt der Fahrer auch einfach nur oder wird durch den Blitz geblendet, was zu einem Folgeunfall führen kann. Daher lieber auf Nummer sicher gehen und das Auto bei Gewitter anhalten und parken – natürlich nicht auf der Autobahn. Viele Kfz-Versicherungen übernehmen auch Kosten, die durch Blitzschlag an der Fahrzeugelektronik entstehen. Allerdings sind Schäden, die durch ein Fehlverhalten des Fahrers aufgrund des Blitzeinschlags entstehen, nicht eingeschlossen. Das heißt konkret, wenn man erschrickt, das Lenkrad verreißt und gegen einen anderen PKW kracht, fällt das nicht unter die Rubrik »Schäden durch Blitz«.   

Unser Expertentipp:

Beachten Sie, dass Folgen eines Blitzeinschlags ins Fahrzeug, wie bspw. ein Unfall aufgrund Verreißen des Lenkrads, nicht über die Kfz-Versicherung versichert sind. Informieren Sie sich am besten vor dem Vertragsabschluss, welche Schäden im gewählten Tarif mitversichert sind.

Fazit

Eine Versicherung, die alle Blitzschäden übernimmt, gibt es nicht. Und viele unterschätzen, welche Schäden ein Unwetter und ein paar Blitze anrichten können. Beachten Sie vor allem den Unterschied zwischen Blitzschlag und der Überspannung infolge von Blitz.
»Blitzeinschlag« bedeutet: der Blitz schlägt in den Schornstein, in einen Baum auf dem Grundstück oder direkt auf dem Grundstück ein. »Überspannung durch Blitz« ist eine klassische Leistung innerhalb der meisten Hausratversicherungen und betrifft Ihren elektronischen Hausrat.  

Prüfen Sie vor Abschluss einer Versicherung, ob in dem von Ihnen gewählten Tarif alle Wunschleistungen integriert sind. Ggf. kann man einzelne Leistungen optional oder als Zusatzbaustein dazunehmen. Sollte es bei einem günstigen Tarif nicht alle gewünschten Zusätze geben, lohnt sich manchmal der Blick in den nächst besseren Tarif. Für nur ein paar Euro mehr Prämie bekommt man oft umfassende Leistungen, die sich im Schadenfall auszahlen.

Eine umfassende Wohngebäudeversicherung versichert alle Schäden, die an versicherten Sachen ursächlich durch den Blitzschlag herbeigeführt werden. D.h. schlägt der Blitz in den Schornstein ein und beschädigt das Dach und es regnet rein, dann ist entstehender Schaden durch die Versicherung abgedeckt. Genauso alle weiteren Kosten wie:

  • Überprüfung der gesamten Elektrik
  • Austausch von Steckdosen
  • Putzschäden an der Fassade etc.

Im Fall der Hausratversicherung unbedingt darauf achten, dass in den Leistungen »Überspannungsschäden durch Blitz« steht. Denn es gibt auch »normale« Überspannungen im Stromnetz. Genau die führen eher selten dazu, dass elektrische Geräte irgendwann kaputt gehen. Man kann sich allerdings ziemlich sicher sein, dass elektrische Geräte nach einem Blitzeinschlag ins häusliche Stromnetz durch Kurzschluss zerstört werden. Wichtig ist außerdem: Wie hoch sind die Entschädigungssummen? Wird zum Neu- oder Zeitwert entschädigt? Wenn man auf einen Schlag Computer, Waschmaschine und Trockner ersetzen muss, wäre es doch schade, wenn man vom technischen Fortschritt der letzten Jahre nicht profitieren kann, weil die Elektrogeräte schon zehn Jahre alt sind.

Ähnlich verhält es sich mit der Kfz-Versicherung. Dadurch, das Fahrzeugkarosserien gemeinhin als »Blitzschutz« angesehen werden, denken viele nicht daran, dass ein Blitzeinschlag das teuere Steuergerät beschädigt. Lieber ein paar Euro mehr an Prämie zahlen und darauf achten, dass auch der Blitzeinschlag ins Auto mitversichert ist.  

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