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KMU

Der Duft der Skabiose

Joëlle, Julia und Jan sind das Team hinter Blumenpost. Die drei gewannen 2018 mit ihrer Start-up-Idee die Helvetia Kickbox und sind seitdem sehr erfolgreich unterwegs. Dabei geholfen haben ihre Leidenschaft für Blumen und die Coronakrise.

16. August 2021, Text: Isabella Awad, Foto: Blumenpost

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Jan, Julia und Joëlle (v.l.) gründeten 2018 das Startup Blumenpost. Die Blumen in ihren Sträussen sind so regional und saisonal wie möglich.

Der Beginn von Blumenpost ist einfach erzählt: Joëlle, Julia und Jan studierten zusammen an der Uni St. Gallen. Sie diskutierten über die Gründung eines Start-ups. Warum nicht einen Online-Blumenversand aufziehen? Das gibt es in der Schweiz nur vereinzelt. Sie wurden auf das Helvetia Kickbox-Projekt aufmerksam. Die Vorstellung beflügelte sie derart, dass sie ihre Start-up-Idee einreichten und es von 155 Teilnehmenden unter die ersten neun schafften. Zusammen mit zehn weiteren Start-ups pitchten sie ihre Idee am 18. November 2018 in Zürich. Sie gewannen 10'000 Franken Startkapital und eine Start-up-Beratung bei Blue Line Incubator.

Das Geschäft mit den Blumen

Die drei haben sich an der Uni in unterschiedliche Spezialgebiete vertieft: Joëlle in Marketing, Julia in Finance und Jan in Innovation. «Aber wir alle brachten null Erfahrung mit in der Blumenbranche», erinnert sich Joëlle. Je mehr sie sich mit dem Thema befassten, desto mehr kristallisierte sich das Potenzial dieses Geschäfts heraus. Sie fanden einen passenden Lieferanten und im August 2019 ging die Website live. Das Angebot: Blumen im Abo. Ende August belieferten sie bereits ihre ersten sieben Kundinnen und Kunden. Neben dem Studium investierten sie alle Zeit in Blumenpost. «Wir holten am Morgen die Blumen beim Händler, Julia und ich banden die Sträusse, Jan lieferte sie aus», erzählt Joëlle.

Glücksfall Shutdown

Dann kam der Shutdown. «Auf einen Schlag war unsere Konkurrenz ‹lahmgelegt›. Die Bestellungen bei uns gingen hingegen durch die Decke, wir wuchsen innert Kürze um 300 Prozent», erinnert sich Joëlle. Das Trio stellte Mitarbeitende im Stundenlohn ein zum Binden und Ausliefern der Blumen – auch zwei Floristinnen. Aktuell arbeiten sie zu viert im Büro und fünf Floristinnen im Teilzeitpensum. Geliefert wird an allen Wochentagen, inzwischen schweizweit – am Montag nur an Geschäftskunden. 33 Kuriere fahren im Schichtbetrieb. «Seit Ende Juni 2020 arbeiten wir alle Vollzeit für Blumenpost», Joëlle kann es manchmal selber kaum glauben. 350 Sträusse binden die Floristinnen pro Woche. Im Sortiment sind auch Vasen, Saisonkalenderplakate und Workshops.

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Skabiosen, Joëlles Lieblingsblumen, duften verführerisch.

Warum Blumen?

Warum sie sich fürs Geschäft mit Blumen entschieden hätten und nicht für Kinderkleider oder Fleischersatzprodukte? «Wir finden Blumen ein ästhetisches Produkt und lieben sie einfach! Wir suchten die Herausforderung in einem komplexen Markt und in dieser etwas verstaubten Branche tummeln sich wenige neue Players», erklärt Joëlle. «Aber die Logistik ist extrem herausfordernd, weil es ein Frischeprodukt ist.» Das Blumenpost-Credo: So regional und so saisonal wie möglich; ihre Vision: Das Geschäft mit den Blumen einfach und nachhaltig betreiben. Einfach bestellen, einfach in die ganze Schweiz liefern – am gleichen oder am nächsten Tag. Wenig Plastik verwenden, wenig Abfall generieren und kein Lager bewirtschaften. Sie achten auch auf soziale Nachhaltigkeit bei den Produzenten.

Floristin ist ein harter Job

Rückwirkend hätten sie unterschätzt, wie physisch anstrengend der Job einer Floristin, wie herausfordernd das Produkt Blume und wie komplex die Logistik ist. Und wie viele Schritte nötig sind bis die Kundin respektive der Kunde den Strauss in Empfang nehmen darf. Überschätzt hätten sie das Kreieren von Sträussen. «Anfangs dachten wir: Ohne Floristin im Gründerteam geht es nicht. Aber durch das Selbermachen entwickelten wir unseren eigenen Stil und der macht den Unterschied», sagt Joëlle. Zu jedem Strauss liefert Blumenpost einen QR-Code mit. So erfahren die «Beschenkten» etwas über die Blumen in ihrem Strauss.

An Bekanntheit gewinnen

Blumenpost will schweizweit an Bekanntheit gewinnen. 90 Prozent der Bestellungen seien immer noch aus Zürich und Umgebung. Der Trend, dass immer mehr Kundeninnen und Kunden in der Schweiz nach Saison und Herkunft der Blumen fragen, soll ihrem Geschäftsmodell zu Gute kommen. In den Blumenläden werden je nach Saison 50 bis 80 Prozent aus dem Ausland importiert. «Bis letzten Winter haben wir nur Blumen aus der Schweiz verwendet – was vor allem in der kalten Jahreszeit eine Herausforderung ist», verrät Joëlle. Eine Kundenumfrage in diesem Frühjahr zeigte, dass die Kundschaft einverstanden wäre, wenn in kargen Zeiten auch Blumen aus dem nahen Ausland importiert würden. «Wir wollen einfach transparent sein», sagt Joëlle.

Joëlles Tipp: «Einfach machen, nicht zu viel überlegen. Auch mit wenig Erfahrung geht es. Man muss nicht alles selber machen – einfach fragen, das Umfeld hilft gerne. Dass wir selber und schnell entscheiden können und sofort die Wirkung sehen, motiviert mich sehr. Und noch etwas: Skabiosen, Joëlles Lieblingsblumen, duften verführerisch, und Narzissen sollte man nie mit anderen Blumen mischen!