Das Schweizer Vorsorgesystem ist stark auf einen klassischen Lebenslauf ausgerichtet: früher Berufseinstieg, möglichst durchgehende Erwerbstätigkeit und Pensionierung mit 65 Jahren. Für viele Menschen passt dieses Modell heute aber nur noch bedingt. Die Lebensläufe sind vielfältiger geworden. Viele steigen später ins Berufsleben ein. Andere arbeiten Teilzeit, übernehmen Care-Arbeit, machen eine Weiterbildung oder legen eine berufliche Auszeit ein.
Solche Phasen können sinnvoll und bereichernd sein. Für die Vorsorge bedeuten sie aber oft weniger Einkommen, weniger Beiträge und weniger Zeit für den Aufbau von Alterskapital. Diskontinuierliche Erwerbsbiografien können so tatsächlich zur Vorsorgefrage werden. Das zeigt sich besonders dann, wenn Erwerbsphasen unterbrochen sind oder das Einkommen über die Jahre stark schwankt.
In der Schweiz ist Teilzeitarbeit weit verbreitet. 2025 arbeiteten 38.7 Prozent aller Erwerbstätigen Teilzeit. Das entspricht rund 1.889 Millionen Personen. Besonders häufig trifft das auf Frauen zu. Ihr Anteil unter den Teilzeitbeschäftigten liegt bei 71.4 Prozent.
(Bundesamt für Statistik (BFS), «SAKE in Kürze 2025. Schweizerische Arbeitskräfteerhebung», Neuchâtel 2026, S. 5.)
Arbeiten in einem Teilzeitpensum kann vieles ermöglichen. Zum Beispiel mehr Zeit für Familie, Weiterbildung oder eine bessere Balance zwischen Beruf und Privatleben. Gleichzeitig sinkt oft das Einkommen. Dadurch werden jedoch auch weniger Beiträge in die AHV und in die Pensionskasse einbezahlt. Mehr zum Thema erfahren Sie in im Blog «Richtig vorsorgen – auch bei Teilzeit und Auszeit».
Besonders schwierig ist das für Menschen mit tiefem Einkommen. Wer die Eintrittsschwelle für die Pensionskasse nicht erreicht, ist dort gar nicht versichert. Und auch wer einer Pensionskasse angeschlossen ist, baut mit einem kleinen Pensum oft nur ein begrenztes Altersguthaben auf.
Auch längere Ausbildungswege verändern die Ausgangslage. Heute hat jede zweite Person zwischen 25 und 34 Jahren einen Hochschulabschluss oder einen Abschluss der höheren Berufsbildung. Wer länger in Ausbildung ist, startet auch später ins volle Erwerbsleben. Damit bleiben weniger Jahre, um Kapital für die Pensionierung aufzubauen.
Das ist relevant, weil Zeit in der Vorsorge eine wichtige Rolle spielt. Je früher Beiträge einbezahlt werden, desto länger kann das Geld arbeiten und der Zinseszinseffekt seine Wirkung entfalten. Das gilt für die Pensionskasse ebenso wie für die dritte Säule.
«Bei der 3. Säule sollte man nicht warten, bis man sich den Maximalbetrag leisten kann. Wichtiger ist, früh zu starten – mit einer Lösung, die sich flexibel an die eigene Lebenssituation und das jeweilige Budget anpassen lässt, vom Berufseinstieg bis zur Pensionierung.»
Zwischen Wunsch und Realität klafft bei der Vorsorge oft eine Lücke. Das zeigen aktuelle Studien deutlich. Laut der Wohntraumstudie 2026 von Helvetia ist für 75 Prozent der 25- bis 65-jährigen die Altersvorsorge das wichtigste Sparziel. An zweiter Stelle folgt die finanzielle Sicherheit im Alltag. 63 Prozent der befragten Erwerbstätigen sparen tatsächlich. Gleichzeitig sagt ein Teil der Befragten, dass sie gerne mehr sparen würden. Andere wollen zwar sparen, können es aber im Alltag finanziell nicht umsetzen. Und 24 Prozent sparen gar nicht.
Besonders aufschlussreich sind auch Ergebnisse der Zuversichtsstudie (eine Sotomo-Umfrage im Auftrag von Helvetia): 80 Prozent der darin Befragten blicken zwar optimistisch in die Zukunft. Finanzieller Wohlstand wird von vielen angestrebt, jedoch sind nur gerade 19 Prozent zuversichtlich, dieses Ziel auch zu erreichen. Und für 62 Prozent der Befragten war die Pensionierung rückblickend betrachtet eine finanzielle Herausforderung.
Das alles zeigt: Das Bewusstsein für die eigene Vorsorge ist zwar da. Aber nicht jede Person hat denselben finanziellen Spielraum, dies auch umzusetzen.
AHV und Pensionskasse bleiben wichtige Pfeiler der Vorsorge. Ihre Rahmenbedingungen sind jedoch weitgehend vorgegeben und gesetzlich stark reguliert. Gleichzeitig passen sie nicht immer gut zu Lebensläufen mit Teilzeit, Unterbrüchen oder spätem Berufseinstieg. Genau hier gewinnt die private Vorsorge an Bedeutung. Vor allem die dritte Säule kann helfen, Vorsorgelücken gezielt auszugleichen und die eigene Vorsorge aktiv zu gestalten. Sie ist deshalb so relevant, weil sie mehr Spielraum bietet als die obligatorischen Systeme.
«Bei Teilzeit, Erwerbsunterbrüchen oder spätem Berufseinstieg stossen AHV und Pensionskasse an Grenzen. Genau deshalb ist die private Vorsorge so wichtig: Die dritte Säule schafft Spielraum, um Vorsorgelücken gezielt zu schliessen und die eigene finanzielle Zukunft aktiver zu gestalten.»