Inflation stammt vom lateinischen inflatio ab, was "Aufblähen" bedeutet. Sie entsteht, wenn die Verbraucherpreise von Gütern stetig schneller steigen als die Löhne, wodurch die Kaufkraft sinkt.
Inflation oder Teuerung bedeutet also, dass der Wert Ihres Geldes sinkt oder das allgemeine Preisniveau steigt. Das ist eine Frage der Sichtweise, der Effekt ist aber derselbe: Sie bekommen im Vergleich zu einem früheren Zeitpunkt weniger für Ihr Geld. Ein Beispiel: Wenn Sie heute Lebensmittel für Ihr Zmorge einkaufen, bezahlen Sie für die Zutaten in Ihrem Einkaufskorb mehr als vor einem Jahr.
Das heisst unter dem Strich, dass Sie mehr bezahlen müssen oder weniger für Ihr Geld bekommen.
Wenn diese Entwicklung über längere Zeit anhält, büssen Sie massiv an Kaufkraft ein, wie Ihnen die nachfolgende Aufstellung verdeutlicht – vorausgesetzt, Ihr Einkommen bleibt gleich. Sie verlieren an Kaufkraft allerdings auch dann, wenn Ihr Einkommen nicht mindestens pro Jahr so viel wie die Inflationsrate steigt.
| Jahr | Kaufkraft Anfang Jahr | Inflationsrate | Kaufkraft Ende Jahr |
| 2021 | 1'000.00 Franken | 3,0 Prozent | 970.00 Franken |
| 2022 | 970.00 Franken | 3,0 Prozent | 940.90 Franken |
| 2023 | 940.90 Franken | 3,0 Prozent | 912.67 Franken |
| 2024 | 912.67 Franken | 3,0 Prozent | 885.29 Franken |
| 2025 | 885.29 Franken | 3,0 Prozent | 858.73 Franken |
| 2026 | 858.73 Franken | 3,0 Prozent | 832.97 Franken |
| 2027 | 832.97 Franken | 3,0 Prozent | 807.98 Franken |
| 2028 | 807.98 Franken | 3,0 Prozent | 783.74 Franken |
| 2029 | 783.74 Franken | 3,0 Prozent | 760.23 Franken |
| 2030 | 760.23 Franken | 3,0 Prozent | 737.42 Franken |
Wenn Ihr Geld plötzlich immer weniger wert ist, ist es naheliegend und verständlich, dass Sie nach den Ursachen der Inflation fragen. Heute ist man sich einig, dass eine Inflation durch drei Szenarien ausgelöst wird.
Die Nachfrage nach Waren und Dienstleistung ist grösser als das Angebot. Um Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht zu bringen, steigen die Preise. Ein aktuelles Beispiel dafür ist das, was nach den Lockdowns während der Corona-Pandemie passiert ist. Wir alle sassen zu Hause fest ohne Möglichkeit, viel auszugeben. Als wir uns wieder freier bewegen konnten, wollten alle wieder kaufen. Doch weil inzwischen die globalen Lieferketten durcheinandergerieten, konnte uns der Markt zu wenig von dem geben, was wir wollten. Die Folge: Hohe Nachfrage bei knappem Angebot führt zu höheren Preisen, also zu Inflation.
Hier handelt es sich um eine angebotsbedingte Teuerung. Gewissermassen die Kehrseite der Nachfrage-Inflation. Stellen Sie sich vor, dass Güter, die für die Wirtschaft in vielen Bereichen wichtig sind, plötzlich teurer werden. Die Unternehmen werden in diesem Fall zumindest einen Teil der höheren Produktionskosten auf Sie als Konsumentin abwälzen. Die Preise für Produkte und Dienstleistungen steigen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Rohstoffpreise etwa für Erdöl aufgrund eines verknappten Angebots anziehen, wie wir es immer mal wieder bei Erdöl erleben.
Bei dieser Inflation spielen die Erwartungen der Marktteilnehmerinnen eine zentrale Rolle. Sie als Konsumentin fällen Kaufentscheide auch in Abhängigkeit davon, wie Sie die zukünftige Teuerung einschätzen. Wenn Sie denken, dass Butter, Kaffee, Kleider und Benzin teurer werden, werden Sie höchstwahrscheinlich Ihre Ausgaben drosseln. Auch Unternehmen treffen ihre Investitionsentscheide nach diesem Muster. Ein gutes Beispiel dafür ist die Lohn-Preis-Spirale. Wenn Arbeitnehmerinnen und Gewerkschaften höhere Preise erwarten, werden sie prophylaktisch höhere Löhne fordern. Für Unternehmen bedeuten höhere Löhne höhere Produktionskosten, die sie so weit wie möglich auf Sie als Konsumentin abwälzen. In der Folge steigen die Preise.
Stellen Sie sich einen typischen Einkaufskorb vor: Brot, Milch, Gemüse, etwas Fisch oder Fleisch und ein Sixpack Bier. Würden Sie bei jedem Einkauf aufschreiben, wie viel die einzelnen Artikel gekostet haben, könnten Sie einfach feststellen, ob die Preise gestiegen oder gesunken sind. Allgemein ausgedrückt muss man die Preisentwicklung beobachten und erfassen, um die Inflationsrate zu bestimmen. Dafür wird ein Warenkorb mit Gütern und Dienstleistungen definiert, die Privathaushalte typischerweise kaufen. In der Schweiz ist das Bundesamt für Statistik dafür verantwortlich. Es erstellt monatlich den Landesindex der Konsumentenpreise (kurz: Landesindex). Die Erhebung umfasst rund 100’000 Preise in etwa 8’000 Verkaufsstellen.
Was liegt nun in diesem «Warenkorb»? Gemäss Bundesamt für Statistik enthält er in der Schweiz eine wirklichkeitsnahe Auswahl von Waren und Dienstleistungen, welche die privaten Haushalte konsumieren. Der Warenkorb ist in zwölf Ausgabenbereiche unterteilt (vgl. Grafik). Wie viel der durchschnittliche Schweizer Haushalt für die einzelnen Bereiche ausgibt, wird mit Stichproben direkt bei den Haushalten ermittelt. Sollten Sie je angefragt werden, müssen Sie wissen, dass die Teilnahme obligatorisch ist.
Ihre persönliche Inflationsrate kann allerdings stark von der durchschnittlichen Inflationsrate abweichen. Wenn Sie täglich mit dem Auto zur Arbeit fahren, sind Sie von steigenden Benzinpreisen stärker betroffen als Ihre Kollegin, die mit dem Velo zur Arbeit fährt.
Die jüngste Inflation, die ab Anfang 2022 praktisch alle Wirtschaftsräume der Welt erfasste, hat gezeigt, dass die Preise sehr schnell steigen und Ihr Budget belasten können. Während die umliegenden Länder Inflationsraten teilweise von über zehn Prozent verzeichnen, fällt die Teuerung bei uns in der Schweiz vergleichsweise moderat aus. Den Höhepunkt erreichte sie mit rund 3,5 Prozent im August 2022, seither geht sie zurück (1,7 Prozent, Stand November 2023). Experten gehen davon aus, dass dieser Trend anhält.
Dass die Inflation so viel Wirbel macht, hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass wir in der Schweiz in den letzten 30 Jahren lediglich ein einziges Mal eine Jahresteuerung hatten, die über dem Spitzenwert vom August 2022 lag. In den übrigen Jahren bewegte sie sich auf einem Niveau von meist unter 1 Prozent, in einzelnen Jahren gar unter der Null-Prozent-Grenze – so 2009, 2015 und 2016. Erst ab einer Teuerungsrate von über 5 Prozent spricht man von einer hohen Inflation.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) strebt in der Schweiz eine Inflation von weniger als 2 Prozent an, ebenso die Europäische Zentralbank (EZB) für die Eurozone. Dieser Wert gilt als gut sowohl für die Wirtschaft als auch für Sie als Konsumentin. Er sorgt dafür, dass Käufe und Investitionen nicht aufgeschoben, sondern bald getätigt werden. Eine Teuerung auf diesem relativ tiefen Niveau signalisiert Ihnen auch, dass Sie mit einer stabilen Preisentwicklung rechnen können.
Persönlich können Sie wenig gegen eine Teuerungswelle unternehmen. Geben Sie zusammen mit vielen anderen weniger aus, leidet das Geschäft der Unternehmen und es besteht die Gefahr, dass die Wirtschaft in eine Rezession rutscht. Dennoch muss die Inflation kontrolliert und allenfalls bekämpft werden. Am besten können dies die Notenbanken, in der Schweiz also die SNB. Ihre wichtigste Aufgabe ist es, für Preisstabilität zu sorgen. Einer der wichtigsten Hebel dafür ist die Kontrolle der Zinssätze über den sogenannten Leitzins. Erhöht die SNB den Leitzins, wird es teurer für Ihre Hausbank, sich bei der SNB Geld zu leihen. Ihre Hausbank wird diese Verteuerung an ihre Kundinnen weitergeben, indem sie beispielsweise Kredite und Hypotheken verteuert. Die Absicht hinter der Erhöhung des Leitzinses ist, die Ausgaben zu drosseln und die Nachfrage nach Waren zu bremsen. Eine geringere Nachfrage sollte dann das Preisniveau stabilisieren. Da das Instrument «Zinsanpassung» zeitlich verzögert wirkt, ist der Effekt auf die Inflationsrate nicht sofort sichtbar.
Gesamtwirtschaftliche Prozesse wie die Inflation können Sie nicht massgeblich beeinflussen. Schutzlos der Inflation ausgeliefert sind Sie aber auch nicht. Einen gewissen Inflationsschutz bieten in erster Linie sogenannte Sachwerte. Das sind zum Beispiel Immobilien, Aktien und Edelmetalle wie Gold sowie Produkte, die darauf aufbauen (z. B. Aktienfonds), aber auch Kunstwerke, teure Uhren und andere Sammelgegenstände. Da erwerben Sie in jedem Fall etwas Handfestes. Statt Ihr Geld auf ein Sparbüchlein zu legen, wo die Inflation das bisschen Zins gleich vernichtet, sollten Sie daher besser investieren.
Zwar werden praktisch alle Anlageklassen zumindest zeitweise unter der Inflation leiden – die einen bei stark steigender Inflation, die anderen bei abflauender Inflation, die dritten bei steigenden Zinsen. Aber wenn Sie etwas längerfristig ausgerichtet sind, gibt es gute Möglichkeiten, trotz Inflation die Kaufkraft zu halten und Vermögen aufzubauen. Breit gestreute, weltweit anlegende Aktienfonds gelten als eines der besten Mittel gegen Inflation. Auch sie bergen Risiken, bei einem langjährigen Anlagehorizont sind sie jedoch verkraftbar. Und im Unterschied zu Immobilien können Sie bei Aktienfonds schon mit wenig Geld einsteigen. Unser Leitfaden zeigt Ihnen Ihre Möglichkeiten auf, wie Sie als Anfängerin investieren können.