Kinder verursachen sowohl direkte als auch indirekte Kosten. Die direkten Kosten – also Ausgaben für Essen, Gesundheit, Kleidung, Fremdbetreuung, etc. – für ein Kind während 18 Lebensjahren belaufen sich auf gut CHF 470'000. Doch damit noch nicht genug. Denn neben diesen direkten Kinderkosten entstehen auch noch indirekte Kosten, die ebenfalls bis zu ungefähr einer halben Million Franken anwachsen können. Dazu gehört beispielsweise weniger Einkommen aufgrund reduzierter Arbeitszeiten und entgangenen Karrierechancen. Die Faustregel «ein Kind kostet bis zu seiner Volljährigkeit eine Million Franken» ist also nicht ganz falsch.
Die direkten Kosten umfassen alle Konsumkosten sowie Ausgaben für die Gesundheit, die in einem Haushalt für die Kinder anfallen. Die nachfolgende Tabelle zeigt Ihnen die direkten Ausgaben für Ernährung, Kleidung, Wohnen, Haushalt, Krankenkasse, Gesundheit, Internet und Freizeit im Detail.
Quelle: BFS, "Familien in der Schweiz 2021"
Die direkten Kosten für ein Kind können also alles in allem gut CHF 470'000 während 18 Lebensjahren betragen. Wenn Ihr Kind die Ausbildung mit 18 Jahren noch nicht abgeschlossen hat, z. B. weil es studiert, fallen zusätzliche Kosten für die junge Erwachsene oder den jungen Erwachsenen an.
Unter indirekten Kosten versteht man dagegen Zeitkosten, welche eine Familie aufbringt, um die Kinder zu betreuen und die damit verbundenen Folgekosten. Meist reduzieren werdende Eltern ihre Arbeitspensen – oder mindestens ein Elternteil –, sobald das erste Kind zur Welt gekommen ist. Das bedeutet ein tieferes Einkommen. Aber nicht nur das. Auch die Sozial- und Rentenbeiträge sinken dadurch, was sich im Alter oder im Krankheitsfall bemerkbar machen kann. Ausserdem lassen Elternpaare, meistens die Mutter, oft Karriere- und Aufstiegschancen sausen. Dies schlägt sich ebenfalls im Einkommen nieder und zählt zu den indirekten Kinderkosten. Bei den indirekten Kosten können Sie sehr grob geschätzt mit gut CHF 500'000 rechnen. Insgesamt kostet Sie ein Kind also gegen eine Million Franken.
Generell gilt: Je älter die Kinder werden, desto höher sind die direkten Kinderkosten. Gleichzeitig sinken die indirekten Kosten. Bis vier Jahre liegen die direkten Kosten für ein Einzelkind bei gut CHF 1'400 pro Monat, vom fünften bis zum zwölften Lebensjahr bei gegen CHF 1'550. Das teuerste Alter der Kinder aber ist die Teenagerzeit. In dieser Zeit steigen die laufenden Kosten für Kleidung, Freizeitaktivitäten und Schulmaterial deutlich an. Bis zum 18. Lebensjahr können Sie mit durchschnittlich CHF 1'900 pro Monat rechnen.
Das erste Kind ist in der Regel das teuerste. Das liegt daran, dass Sie die Baby-Erstausstattung, wie z. B. Kinderwagen, Babybett und Kinderkleidung, neu anschaffen müssen. Bei zwei oder sogar drei Kindern sinken die Kosten pro Kind, weil Sie vieles wiederverwenden können. Auch haben Sie unterdessen mehr Erfahrung. Sie wissen womöglich schon, wo es günstige Windeln gibt und welche Baby-Artikel die Kinder wirklich benötigen.
Beim zweiten Kind sinken die Ausgaben pro Spross in den ersten vier Lebensjahren um rund 25 Prozent, beim dritten nochmals um gut 13 Prozent. In den Teenagerjahren ist der Unterschied etwas geringer. So sind die monatlichen Kosten fürs zweite Kind um 12 Prozent und fürs dritte Kind um 5 Prozent tiefer.
Die Höhe der Ausgaben für ein Kind hängt stark vom Lebensstil und der finanziellen Situation der Eltern ab. Familien mit höherem Einkommen neigen dazu, mehr für ihre Kinder auszugeben. Sei es für Bildung, Freizeitaktivitäten oder andere Bedürfnisse. Gemäss der BFS-Studie «Kinderkosten in der Schweiz» geben die obersten Einkommensklassen gut 40 Prozent mehr Geld für ihre Kinder aus als diejenigen, die am wenigsten verdienen.
Kinder beeinflussen Ihre Altersvorsorge signifikant. Rechnen Sie diese indirekten Kinderkosten unbedingt in die Familienplanung ein. Arbeiten Sie Teilzeit, um sich der Familie zu widmen, zahlen Sie weniger in Ihre Pensionskasse (2. Säule) und AHV (1. Säule) ein. Langfristig kann so bis zu einem Drittel Ihres Altersguthaben fehlen und Sie erhalten eine tiefere Rente. Weil in der Schweiz die traditionelle Rollenverteilung bei der Kindererziehung stark verbreitet ist, betrifft die Vorsorgelücke vor allem Frauen.
Laut dem BFS-Bericht «Familien in der Schweiz 2021» arbeiten 83 Prozent der Mütter, davon fast zwei Drittel im Teilzeitpensum. Der Anteil der erwerbstätigen Väter ist mit 98 Prozent deutlich höher. Nur gerade 13 Prozent davon arbeiten Teilzeit. Ein Teilzeitpensum ist insbesondere dann kritisch, wenn Ihr Einkommen unter CHF 22'680 pro Jahr liegt. Damit erreichen Sie die Eintrittsschwelle für die Pensionskassenbeiträge in der 2. Säule nicht.
Gut zu wissen: Laut unserer Vorsorgeexpertin Stefanie Emmenegger wird es ab fünf Jahren ohne Einzahlung in die 2. Säule fast unmöglich, die fehlenden Beiträge zu kompensieren. Möchten Sie mehr zur 2. Säule des Schweizer Vorsorgesystems erfahren, empfehlen wir Ihnen unseren Artikel «2. Säule in der Schweiz: Berufliche Vorsorge (BVG) einfach erklärt».
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